Armutssituation in Benin

In Benin leben 36,2 % der Bevölkerung unterhalb der nationalen Armutsgrenze (Stand: 2011, letzt verfügbare Daten). In 2009 waren es 35,2 %.

 

Die nationale Armutsgrenze ist mit 120.839 West African CFA Franc (FCFA) pro Person pro Jahr definiert oder 0,69 US $ pro Tag (Kurs vom 14.12.2013). D.h. umgerechnet, dass einem Einwohner Benins, der als arm gilt, 0,50 € täglich oder weniger zur Verfügung stehen, um das Nötigste wie Lebensmittel, Kleidung und Unterkunft zu kaufen.

Auch wenn es sich hierbei um absolute Zahlen handelt, die nicht in die internationale Kaufkraftparität umgerechnet sind, so sind 0,50 € pro Tag auch in Benin nicht sehr viel.

World Bank & INSAE
World Bank & INSAE

Tendenziell leben mehr Arme auf dem Land, wobei dort die Armut in den vergangenen Jahren gesunken und in den Städten gestiegen ist. Ferner sind die Armutsziffern in de Departements unterschiedlich: In Collines, Kouffo, Mono und Zou ist die Bevölkerung am ärmsten.

 

 

 

WELCHES SIND DIE GRÜNDE FÜR DIE ARMUT IN BENIN?

GOVERNANCE INDIKATOREN

Die Regierung ist demokratisch gewählt, recht stabil und gilt als das Musterbeispiel einer afrikanischen Demokratie seit 20 Jahren. 

Jedoch sind die

  • Strukturen in der öffentlichen Verwaltung schwerfällig,
  • der Personalstand hoch,
  • die Arbeitsweise ineffizient und desorganisiert.

 

Der Zentralisierungsgrad ist hoch und Korruption weit verbreitet.

 

Der Ausbau von dringend benötigter Infrastruktur kommt nur schleppend voran.

Investitionen werden unzureichend getätigt.

Strukturen im Arbeitsmarkt sind allzu starr.

World Bank & INSAE (2013)
World Bank & INSAE (2013)
  • Staatsausgaben

Die Ausgaben der Regierung steigen zwar stetig (in 2000 wurden 322,5 Mio FCFA ausgegeben, in 2011 bereits 743,5 Mio FCFA), doch werden die Mittel ineffizient eingesetzt und erreichen oftmals nicht ihren Bestimmungsort. Im Jahr 2011 hat nicht ein Ministerium den vollen vereinbarten Betrag erhalten. Einzig das Ministerium für Höhere Bildung hat 99,4 % der im Haushalt verabschiedeten Finanzmittel auch tatsächlich erhalten; das Ministerium für Bewässerung und Elektrizität hingegen nur 50,4 %.

 

Die Personalausgaben in der öffentlichen Verwaltung sind mit 45,1 % des Landeshaushalts in Benin am höchsten im Vergleich zum Durchschnitt der anderen Länder in der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (UEMOA). Dort liegen die Personalausgaben bei ca. 38,9 %.

 

Für das Gesundheitswesen werden 6,6 % des Staatsbudgets ausgegeben, was unterhalb des von der Weltbank empfohlenen Prozentsatzes von 10 % liegt.

 

Für Investitionen werden 15,3 % bereit gestellt, anstatt 23 %.

 

In das Bildungssystem wird gut investiert. Der Anteil am Landeshaushalt liegt bei 18,3 %, empfohlen werden 19,3 %.

 

Die Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit hingegen übersteigen die Empfehlung um 2,3 %.

ARBEITSMARKT

© Brühl Stiftung
© Brühl Stiftung

Derzeit gibt es keinen Hinweis darauf, dass arme Menschen durch Arbeit reicher werden. Von der vorhandenen Arbeitskraft gehen 74,9 % einer bezahlten Arbeit nach (Stand: 2011). Davon sind 93 % im informellen Sektor beschäftigt, d.h. ohne formalem Arbeitsvertrag und somit ohne jeglicher sozialer Absicherung. Steuern werden  nicht gezahlt.

 

  • informeller/formeller Sektor

Von den ca. 7 %, die im formellen Sektor beschäftigt sind, sind 3,9 % in der öffentlichen Verwaltung tätig und 3,1 % in der Privatwirtschaft. Der private Sektor ist überwiegend in Cotonou konzentriert; hier sind 16,9 % in der Privatwirtschaft beschäftigt. Zum Vergleich: In anderen Städten arbeiten ca. 2,9 % im privaten Sektor und auf dem Land 0,5 %.

 

71,9 % der zur Verfügung stehenden aktiven Arbeitskräfte sind selbständig;

18,3 % arbeiten für und innerhalb ihrer Familien.

 

Wie bereits erwähnt, sind die meisten Arbeitskräfte im informellen Sektor beschäftigt. Selbständig sein, heißt nicht nur, ein Geschäft oder Gewerbe zu betreiben, das auf rechtssicherem Boden aufgebaut und offiziell registriert wurde, sondern auch alle Straßenhändler, Betreiber von Straßenständen, Verkäufer von illegalem Benzin, Bauern, die von Subsistenzwirtschaft leben, zählen ebenfalls hierunter. Sie arbeiten in einem rechtsfreien Raum, ihre wirtschaftliche Existenz kann zu jeder Zeit zunichte gemacht werden, ohne Kompensationsleistungen und ohne, dass sie juristisch dagegen vorgehen könnten.

 

16,4 % der Stadtbevölkerung sind in einem angestellten Verhältnis tätig, wobei Cotonou die Spitze anführt mit sogar 28 %. Cotonou ist der Verwaltungssitz der Regierung.

Auf dem Land sind 3,1 % angestellt.

  • Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosenrate zu bestimmen, so wie es bei uns bekannt ist, ist für Benin nicht ganz einfach. Dort gilt als arbeitend, wer mindestens 1 Stunde pro Woche arbeitet.

 

Jedoch ergab die Umfrage, dass

  • 7,5 % der arbeitsfähigen Menschen mit Universitätsabschluss ohne Arbeit sind,
  • 2,3 % derjenigen mit Oberschulabschluss (Collège) und
  • < 1 % derjenigen, die lediglich die Grundschule absolviert oder keine Schule besucht haben, keine Arbeit haben.

 

Dies lässt sich damit erklären, dass die Grundschulabgänger oder diejenigen ohne Abschluss versuchen, im informellen Sektor irgendwie ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Diejenigen mit einem höheren Abschluss versuchen hingegen, einen ihren Qualifikationen gemäßen Arbeitsplatz zu finden. 

 

Die Arbeitslosenquote in Städten ist höher als auf dem Land, da die Arbeitssuchenden in den Städten nicht so einfach auf den landwirtschaftlichen Sektor ausweichen können.

 

  • Unterbeschäftigung

Höhere Zahlen finden sich bei der sichtbaren und unsichtbaren Unterbeschäftigung.

Als sichtbar unterbeschäftigt gilt, wer unfreiwillig weniger arbeitet, als es für die jeweilige Branche im Durchschnitt üblich ist.

Als unsichtbar unterbeschäftigt gilt derjenige, der Tätigkeiten nachgeht, die unterhalb seiner Ausbildungsqualifikation liegt.

 

  • Die sichtbare Unterbeschäftigung liegt bei 29,7 %; 
  • die unsichtbare sogar bei 55,5 %. 

Die hohen Zahlen betreffen alle Sektoren.

 

Unter der jungen Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 34 Jahren haben 98 % einen Arbeitsplatz, davon sind 30,4 % sichtbar unterbeschäftigt und 63,2 % unsichtbar unterbeschäftigt. Hier macht sich das langsam steigende Ausbildungsniveau bemerkbar. Zu hoffen ist, dass mit der Zeit die jungen Menschen, die einen höheren Ausbildungsabschluss erreichen, dazu beitragen können, den Wirtschaftsmotor anzukurbeln. Doch Voraussetzung dafür sind ausreichende finanzielle Mittel, um Investitionen zu tätigen und Rechtssicherheit bei Unternehmensgründungen.

 

  • Sektoren

Ca. 44,3 % der arbeitsfähigen Bevölkerung ist in der Landwirtschaft beschäftigt. 
Im Sektor Handel und Logistik sind ca. 27,6 % tätig, 
im Bildungssektor 16,9 %,
im Finanzsektor 17,3 % und
im öffentlichen Sektor 18,1 %.

 

Wie weiter oben bereits erwähnt, heißt, einen Arbeitsplatz zu haben, nicht, dass sich über der Armutsgrenze befindet. Nur bei Beschäftigten in den Bildungs-, Finanz- und öffentlichen Sektoren liegt der Anteil der Armen, die von 0,50 € täglich oder weniger leben müssen, unter 20 %. In allen anderen Sektoren liegt der Anteil deutlich darüber.

In der Landwirtschaft z.B. leben 45,3 % der Beschäftigten (außer in der Baumwollproduktion) unterhalb der nationalen Armutsgrenze. 

In der Baumwollindustrie, Benins Hauptexportsektor, leben 32,6 % der Beschäftigten von weniger als 0,50 € pro Tag.

INFRASTRUKTUR

World Bank 2011 (C. Dominguez-Torres; V. Foster)
World Bank 2011 (C. Dominguez-Torres; V. Foster)
  • Wasser- und Energieversorgung

Wasser- und Energieversorgung sind weitestgehend in staatlicher Hand. Für die Wasserversorgung zeichnet die Société Nationale des Eaux du Benin (SONEB) verantwortlich; für die Energieversorgung die Société Béninoise d'Energie Electrique (SBEE).

 

2009 waren 24,5 % der Bevölkerung Benins an das Trinkwassernetz angeschlossen.

62,7 % hatten Zugang zu örtlichen Wasserpumpen; jedoch 30,9 % hatten keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser.

Laut neuester Umfrage konnte die Situation erheblich verbessert werden und im Jahr 2011 hatten 61 % der Bevölkerung Zugang zu Trinkwasser.

 

2010 INSAE Household Survey
2010 INSAE Household Survey
  • Sanitäre Infrastruktur

Die sanitäre Infrastruktur ist ebenfalls ungenügend vorhanden. Im Jahr 2009 hatten

  • 18,3 % der Bevölkerung Zugang zu modernen WCs und 
  • 23,6 % Zugang zu Gemeinschaftstoiletten.
  • Nur 2,5 % waren an das Abwassersystem angeschlossen.
  • 80 % der Industrieabwasser wird ungefiltert in Lagunen oder ins Meer geleitet.

 

Selbst wenn das Wasserversorgungssystem ausgebaut würde, so bleibe die Trinkwasserqualität unsicher aufgrund des quasi nicht existenten Abwassersystems.

2010 INSAE Household Survey
2010 INSAE Household Survey
  • Energieversorgung

30,2 % der Einwohner waren 2009 an das öffentliche Elektrizitätsnetz angeschlossen. In Städten sind es 58,2 %, auf dem Land 13,5 %.

Doch Anschluss an das E-Netz beeutet nicht, dass die Versorgung verlässlich ist. Stromausfälle sind an der Tagesordnung und summierten sich im Jahr 2011 auf insgesamt 24 Tage.

Die schlechte Energieversorgung behindert die Wirtschaftsentwicklung enorm.

Quellen:

 

INSAE - L'Institut National De La Statistique Et De L'Analyse Économique (Benin).

   "Note sur la pauvreté au Bénin", EMICoV 2011, 2ième édition, juin 2012

 

INSAE - L'Institut National De La Statistique Et De L'Analyse Économique (Benin) et le Banque Mondial. Benin 2013. DRAFT

 

INSAE - L'Institut National De La Statistique Et De L'Analyse Économique (Benin).

  "L'Enquête Modulaire Integree Sur Les Conditions Des Vies Des Menages", EMICoV. Cotonou: 2010

 

INSAE - L'Institut National De La Statistique Et De L'Analyse Économique (Benin).

  "L'Enquête Modulaire Integree Sur Les Conditions Des Vies Des Menages", EMICoV. Cotonou: 2009

 

World Bank

  "Poverty Reduction & Economic Management 4, Country Department", March 2013, DRAFT

 

World Bank 2011. Carolina Dominguez-Torres and Vivien Foster.

  "Benin's Infrastructure; a Continental Perspective", Policy Research Working Paper 5689