Wissen Sie, dass Budapest in Simbabwe liegt? - Eine Buchbesprechung

Suhrkamp Verlag
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Budapest, Paradise, Bastard, Chipo, Darling: NoViolet Bulawayo entführt uns nach Simbabwe. Sie hat ein Buch ganz besonderer Art geschrieben.

 

Ihre Protagonisten, Darling, Chipo, Bastard und andere, sind Kinder und Jugendliche, deren Familien im Bürgerkrieg zu Zeiten Mugabes alles verloren haben und nun in einem Slum namens Paradise leben.

 

Eindrucksvoll und aus ungewöhnlicher Sicht entführt Bulawayo ihre Leser in eine Welt, die wir nur von außen her kennen. Sie lässt den Alltag aus Sicht dieser Kinder vor unseren Augen entstehen, der zwar von Armut und Hunger geprägt ist, aber auch eine sehr fröhliche, freie und fantasievolle Seite der Kindheit hat.

 

Selbst in Simbabwe geboren und aufgewachsen, liegt NoViolet Bulawayo eine beschönigende, verklärende Afrika-Beschreibung fern. Aber auch ein Einheitsurteil nach dem Motto „alles ist schlecht“ ist bei ihr nicht zu finden.

Ihre jungen Protagonisten nehmen ihre Umwelt und Gemeinschaft kritisch wahr und hinterfragen soziale Normen, wie z.B. ein kirchliches Ritual des Dorfpredigers und der Gemeindemitglieder, das in Wahrheit eine Vergewaltigung ist.

 

Der Besuch von Vertretern einer NGO, die „Hilfsgüter“ verteilen, wird aus Sicht der Empfänger beschrieben.

Das gibt zu denken.

 

Die Diskrepanz zwischen armen Schwarzen und reichen Weißen, die unterschiedlicher nicht sein kann, erleben die Kinder anhand einer Plünderung eines von weißen Siedlern bewohnten Hauses im Stadtteil Budapest, 

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Wissen Sie, dass wir Weißen farbig sind?

© Brühl Stiftung
© Brühl Stiftung


Schwarz und Weiß

 


Wenn wir geboren werden,

sind wir schwarz.

Wenn wir heranwachsen,

sind wir schwarz.

Wenn wir unter der Sonne wandern,

sind wir schwarz.

Wenn wir sterben,

sind wir schwarz.



 

Wenn Ihr geboren werdet,

seid Ihr rosa.

Wenn Ihr heranwachst,

seid Ihr weiß.

Wenn Ihr unter der Sonne wandert,

seid Ihr rot.

Wenn Ihr krank seid,

seid Ihr grün.

Wenn Ihr sterbt,

seid Ihr blau.

 

Und Ihr habt die Stirn,

uns farbig zu nennen.


 

(Leider unbekannter Autor. Veröffentlicht im Kalender Unity der Gruppe Young People in Unity to Stop Racism. Von uns entliehen aus den Erinnerungen von Astrid Toda "Master werden ist nicht schwer, Master sein dagegen sehr!". Danke für das Gedicht!)

Wissen Sie, welcher Anteil des Teepreises ins Erzeugerland fließt?

© Teekampagne
© Teekampagne


Ein Großteil des Verarbeitungsprozesses von Teeblättern zu trinkbarem Schwarzen oder Grünen Tee findet in den Erzeugerländern statt:

 

Pflücken, Welken, Rollen, Fermentieren, Trocknen, Sortieren, evtl. Aromatisieren.

 

Dann wird verschifft oder per Flugzeug nach Deutschland transportiert. In unserem Land finden Qualitätskontrollen, eventuell Mischungen (sogenannte "Blends"), Verpackung in handelsübliche Größen statt sowie der Verkauf.


Vom Endverbraucherpreis verbleiben 75 - 90 % bei uns in Deutschland; auch z.T. bei Tee mit Fair Trade Siegel. Anders ausgedrückt:

 

Nur 10-25 % des Preises, den wir für unseren Assam, Darjeeling, Grünen oder Jasmin Tee im Laden zahlen, gehen nach Indien, Sri Lanka, Kenia, China oder andere Erzeugerländer.

 

Ausnahmen bilden u.a.

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Wissen Sie, dass in Entwicklungsländern rd. 2 Mio Mädchen unter 15 Jahren Mutter werden?

© Marlies Jansen
© Marlies Jansen

Soeben ist der Weltbevölkerungsbericht des United Nations Population Fund (UNFPA) erschienen (Dt. Übers.: Stiftung Weltbevölkerung).

 

Die Zahlen sind beeindruckend:

 

Ca. 19 % junger Frauen in Entwicklungsländern werden schwanger, bevor sie 18 Jahre als sind. Es kommt zu 7,3 Mio Geburten jährlich bei Mädchen im Teenagealter. Davon widerum sind rund zwei Mio Mädchen unter 15 Jahre jung. West- und zentralafrikanische Länder sind die Spitzenreiter, wenn es um Geburtenanteile bei unter 15-jährigen Mädchen geht (6%).

 

Erstaunlicherweise finden 90 % der Geburten bei minderjährigen Müttern innerhalb von Ehen und festen Beziehungen statt. Das bedeutet, dass der Anteil an Kinderehen in vielen Entwicklungsländern besonders hoch ist. Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Prostitution sind weitere Gründe.

 

Rund 70.000 Mädchen sterben jährlich während der Schwangerschaft oder unter der Geburt. Zurückzuführen ist dies auf unsichere Abtreibungen, nicht betreute Schwangerschaften, unzureichende Hygieneverhältnisse etc.

Pro Jahr werden rd. 3,2 Mio unsichere Abtreibungen bei Heranwachsenden durchgeführt.

 

Auch in Industrieländern werden minderjährige Mädchen Mütter. Doch 95 % aller Babies von Minderjährigen werden in Entwicklungsländern geboren. Die Folgen für die Länder sind erheblich, da sich z.B. die Armut durch das hohe Bevölkerungswachstum ausbreitet; die in einigen Ländern guten Wirtschaftswachstumsraten werden durch die Zunahme der Bevölkerung neutralisiert; das Potenzial der Mädchen bleibt ungenutzt; Ausgrenzung von jungen Müttern greift auch auf ihre Kinder: Menschenrechte werden verletzt. In Uganda z.B. werden schwangere Mädchen von der Schule verwiesen.

 

Der Bericht zeigt Maßnahmen auf, wie die zugrunde liegenden Ursachen beseitigt werden können. Viele Länder bemühen sich sehr, die Teenageschwangerschaften zu reduzieren, doch bis die Maßnahmen die breite Bevölkerung, besonders die Landbevölkerung, erreichen und das Bewusstsein verändern, wird noch Zeit ins Land gehen.  

 

Hier geht's zum Weltbevölkerungsbericht: Wenn Mädchen Mütter werden 

 

Übrigens: Unsere Partnerorganisation Somero e.V. gibt jungen Müttern in Uganda, die aufgrund ihrer Schwangerschaft aus dem Schulsystem gefallen sind, die Chance auf Unterricht im Somero Center, um ihren Schulabschluss nachzuholen. Näheres dazu erfahren Sie auf ihrer Website.

 

 

Armut reduzieren? Wie?

Seit Juli 2012 arbeitet ein hochrangiges Gremium der Vereinten Nationen an Zielen über die Millenniumsentwicklungsziele (MDG) 2015 hinaus. Nun liegt der Bericht mit Vorschlägen zur Armutsredzierung bis 2030 vor. (weiter unten: Bericht als zum Download.)

 

Zwischen 1990 und 2010 fiel die Zahl derer, die in Entwicklungsländern in extremer Armut leben von 43% auf 21%. Anders ausgedrückt: ca. 1 Mrd. Menschen sind in den genannten 20 Jahren der Armut entkommen. Das Ursprungsziel, die Armut bis 2015 zu halbieren, wurde bereits 5 Jahre früher erreicht.

 

Noch immer leben ca. 1,1 Mrd. Menschen von 1,25 $ pro Tag, der international gesetzten Armutsgrenze (gemessen in Bezug auf Dollarpreise im Basisjahr 2005 und angepasst an die Kaufkraftdifferenzen eines jeweiligen Landes). Die Fortschritte, die seit 1990 erzielt wurden, sind erfreulich, doch darf nicht vergessen werden, dass 1,25 $ pro Tag noch immer wenig sind. Menschen über diese Grenze zu hieven, ist ein notwendiger, aber kein hinreichender Schritt.

 

Der Großteil der Armutsreduzierung geht auf das Konto der hohen und stabilen Wirtschaftswachstumsraten in den Entwicklungs- und Schwellenländern von durchschnittlich 6%, vor allem in China und in den sogenannten "Kleinen Tigerstaaten" Südostasiens. Über den Daumen gepeilt, kann man sagen, dass ein 1%iger Anstieg am Bruttoinlandsprodukt (BIP) eine 1,7%ige Armutsreduzierung bewirkt.

 

Doch das BIP ist nicht unbedingt die beste Messmethode für Lebensstandard und Armutsreduzierung. Das Wirtschaftswachstum muss auch zu den Ärmsten gelangen, d.h., die Einkommensverteilung spielt eine große

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Wissen Sie, wie das BMZ seine Hilfsgelder an Uganda vergeben möchte?

In der Online-Ausgabe der Deutschen Welle ist heute zu lesen, dass das BMZ seine Zahlungen von Entwicklungsgeldern an Uganda wieder aufnehmen will. Ausgesetzt wurden die Leistungen, da UN-Experten Uganda (und Ruanda) im letzten Jahr beschuldigten ""M-23"-Rebellen in der Demokratischen Republik Kongo finanziell zu unterstützen. ( http://www.dw.de/niebel-wirbt-f%C3%BCr-nachhaltige-entwicklung/a-16848650). 

 

Die derzeitige Reise von Bundesentwicklungsminister Niebel durch Uganda dient dazu auszuloten, ob die Zahlungen wieder aufgenommen und künftig an konkrete Entwicklungsprojekte geknüpft werden sollen, um Korruptionsvorfälle zu verhindern. 

 

Uganda hat laut eigenen Angaben ca. 40 offizielle Geberorganisationen, von denen es Entwicklungsgelder erhält; davon ca. 19 bilaterale Geberländer und 22 multilaterale Organisationen. (Die Angaben des OECD/DAC weichen etwas, aber nicht signifikant ab.) Der deutsche Anteil an Entwicklungsgeldern, die in bilateraler Form nach Uganda fließen, liegt bei ca. 3%

 

Das heißt, der Einfluss der Bundesrepublik auf die Regierung Ugandas aufgrund von Entwicklungsgeldern ist eher als gering zu bezeichnen. Die Überlegungen des BMZ, die Entwicklungsgelder für Uganda wieder frei zu geben und künftig von Budgethilfe hin zu Projektunterstützung zu verlagern, sind eher an uns SteuerzahlerInnen und WählerInnen gerichtet, als dass sie wirklich Auswirkungen auf Ugandas Regierung hätten. 

 

Die Überlegungen des BMZ sind nicht neu. Ca. 36% aller von der OECD registrierten ugandischen Geberpartner ließen im Jahr 2009 ihre Gelder in Form von Budgethilfe in den Haushalt Ugandas fließen, aber seit 2008 gibt es einen

 

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Wissen Sie, was Entwicklungsgelder sind und was nicht?

Die meisten Geberländer von Entwicklungsgeldern sind in der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development; Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) organisiert. Sie berichten an den dortigen Entwicklungsausschuss DAC (Development Assistance Committee) über sämtliche Zahlungen, Warenlieferungen und Dienstleistungen, die sie im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit an Entwicklungsländer transferieren. Der DAC legt alle 3 Jahre eine Liste mit Ländern vor, die als „Entwicklungsländer“ klassifiziert werden, und hat eine allgemein gültige Definition von Entwicklungsgeldern, die übrigens ODA (Official Development Assistance) genannt werden, erarbeitet. Die Definition lautet etwas spröde:

Der Entwicklungsausschuss der OECD (DAC) definiert ODA als Leistungen, die:

ein

- Zuschusselement von mindestens 25% beinhalten (Konzessionalität),

- von öffentlichen Stellen und

- mit dem Hauptziel der Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung von Entwicklungs-ländern

an

- Entwicklungsländer bzw. Staatsangehörige von Entwicklungsländern oder an internationale Organisationen zugunsten von Entwicklungsländern vergeben werden.

 

Was verbirgt sich dahinter?

 

Zur besseren Veranschaulichung wählen wir Deutschland als Beispiel eines Geberlandes.

Entwicklungsgelder sind Teile von Steuergeldern, die in Deutschland hauptsächlich in den Haushalt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – BMZ – fließen. Aber auch die Budgets anderer Ministerien wie z.B. Auswärtiges Amt, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, enthalten Anteile für Entwicklungszusammenarbeit.

 

Aus diesen Ministerien fließen Entwicklungsgelder direkt an Entwicklungsländer; in deren Staatshaushalt (als Budgethilfe oder Programmhilfe) ebenso wie in bestimmte Projekte. Sie können aber auch über multilaterale Organisationen wie die Weltbank, regionale Entwicklungsbanken (African Development Bank z.B.) überwiesen werden sowie an Nichtregierungsorganisationen (NROs), Vereinen und Stiftungen, die diese für Projekte im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit verwalten.

 

Alle EU Länder zahlen zusätzlich Steuergelder in den EU Haushalt, der ebenfalls einen Teil seines Budgets für Entwicklungszusammenarbeit bereitstellt. Die Europäische Union wird als bilateraler Partner innerhalb des DAC angesehen. Daher enthalten die Zahlen des DAC über Entwicklungsgelder eines europäischen Geberlandes 

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Wissen Sie, was Humanitäre Hilfe von Entwicklungszusammenarbeit trennt?

copyright: Reuters (Straßenbau in Kenia)
copyright: Reuters (Straßenbau in Kenia)

Beide Hilfsarten unterscheiden sich hauptsächlich in ihrem geplanten Zeitrahmen. Humanitäre Hilfe ist normalerweise auf einen kürzeren Zeitraum ausgelegt, um Opfern von Natur-, Hungerskatastrophen, Kriegen etc. umgehend mit dem Nötigsten zu versorgen und Leben zu retten. Entwicklungszusammenarbeit hingegen schließt oftmals an die erste Nothilfe an und ist auf einen langen Zeitraum sowie auf strukturellem Aufbau eines Landes (Infrastruktur, Bildung, Wirtschaftsentwicklung etc.) ausgelegt. Die ersten Schwierigkeiten der Abgrenzung liegen auf der Hand: Was ist ein kurzer und was ein langer Zeitraum?

 

Ein weiterer Unterschied liegt im Koordinationsaufwand. Zu beiden Hilfsarten gehören nicht nur Geldzahlungen, sondern auch Materiallieferungen wie z.B. Medikamente, Lebensmittel, Kleidung, die koordiniert werden müssen. Wer entscheidet, ob Geld- oder Materiallieferungen sinnvoller sind? Langfristige Entwicklungszusammenarbeit setzt eine Kooperation zwischen Geber- und Empfängerländer voraus, die gemeinsam die spezifische Situation eines Landes analysieren und entsprechende Unterstützungsmodalitäten koordinieren. Kurz: Sie haben Zeit.

In einer Notlage ist das anders. Geberoganisationen von humanitärer Nothilfe handeln unabhängig voneinander und

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Wissen Sie, was der Unterschied zwischen Entwicklungshilfe und -zusammenarbeit ist?

Entwicklungshilfe oder Entwicklungszusammenarbeit? Beide Begriffe haben eigentlich die gleiche Bedeutung. In den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts löste der Begriff "Entwicklungszusammenarbeit" den der "Entwicklungshilfe" ab, um den partnerschaftlichen Charakter der Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu betonen. "Hilfe" trägt ja die Konnotation der Bedürftigkeit der Empfängerseite in sich und ist für diese eher passiv geprägt. Die Geberländer näherten sich mit veränderten Unterstützungsmodalitäten den Forderungen der Empfängerländer nach Gleichberechtigung zumindest stückweit an und wollten dem auch sprachlich Rechnung tragen. 

Ist dies gelungen?

Nun ja, in den Kreisen entwicklungspolitischer Experten sicherlich, doch in der breiten Öffentlichkeit ist "Entwicklungshilfe" noch weit verbreitet.

 

Dazu trägt auch bei, dass der Unterschied zwischen humanitärer Nothilfe und Entwicklungshilfe/-zusammenarbeit von spendensammelnden Organisationen nicht deutlich genug transportiert wird.

Googlen Sie mal beide Begriffe...

Was heißt eigentlich Entwicklung?

copyright: Somero e.V.
copyright: Somero e.V.

Entwicklungshilfe, Entwicklungszusammenarbeit: Begriffe, die in aller Munde sind. Jeder stellt sich etwas darunter vor; doch gehen wirklich alle von den gleichen Voraussetzungen aus, wenn sie von Entwicklungshilfe sprechen? Wie sinnvoll oder sinnlos sind eigentlich Entwicklungsgelder? Wir wollen in den nächsten Wochen an dieser Stelle versuchen, einen Überblick zu präsentieren. Wir fangen ganz grundsätzlich an und fragen:

 

Entwicklung: Was ist das eigentlich?

 

Leibniz verstand unter entwickeln "das Auswickeln von etwas Eingewickeltem; das Entfalten von noch schlummernden Talenten". (1) 

Und auch bei Kant heißt es, dass "alle Naturanlagen eines Geschöpfs bestimmt sind, sich einmal vollständig und zweckmäßig auszuwickeln". Die Geschöpfe müssen "durch ihre eigene Tätigkeit die Entwicklung ... dereinst zustande bringen".

Diese Perspektive liegt der "Hilfe zur Selbsthilfe" zugrunde.

 

"Jemanden entwickeln" und "sich entwickeln": Für beides sollte gelten, das Vorhandene in eine bestimmte Richtung weiter zu bringen, ob nun mit externer Unterstützung oder aus sich selbst heraus. Beide Begriffe sollten nicht mit dem passiven Begriff "entwickelt werden" verwechselt werden.

 

Dass Entwicklung im Singular steht, ist eigentlich irreführend. Besser wäre die Verwendung des Plural, denn für

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Wissen Sie, dass 67 Mio Kinder nicht zur Schule gehen?

Schule in Uganda
Schule in Uganda

Und dass rund 796 Mio Erwachsene Analphabeten sind?1 Das sind ca. 17 % der erwachsenen Weltbevölkerung. Die meisten dieser Erwachsenen leben in Süd- und Westasien und in Subsahara Afrika. Grund genug, uns einmal die Bildungssituation in den beiden Ländern genauer anzuschauen, in denen wir uns engagieren: Uganda und Guatemala

 

27 % der Bevölkerung Ugandas über 15 Jahre kann nicht lesen und schreiben2; in Guatemala sind es 26 %.3 Die Bevölkerung in ländlichen Gebieten ist in beiden Ländern am meisten betroffen und hier im besonderen die Frauen.

 

Seit im Jahr 2001 die Millennium-Entwicklungsziele von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden, zu denen u.a. das Ziel der „universellen Grundschulbildung“ zählt, haben sowohl Uganda als auch Guatemala die Schulgebühren für öffentliche Grundschulen abgeschafft. Dies hat in beiden Ländern zu einem Anstieg der Einschulungsquoten geführt: In Uganda gehen 91% aller Kinder im relevanten Einschulungsalter zur Schule; in Guatemala sind es 97 %.4

 

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Wissen Sie, dass Hunger nicht Folge von Überbevölkerung ist? (Zum heutigen Weltbevölkerungstag)

Bei uns in Europa stagniert das Bevölkerungswachstum oder ist sogar in einigen Ländern rückläufig. In Entwicklungsländern hingegen steigt die Population: In Uganda z.B. lag die Wachstumsrate bei 3,2 %, in Guatemala bei 2,5 % im Jahr 2011. Die Frage, ob der Bevölkerungsanstieg die Ursache für Armut oder die Armut  die Ursache für hohe Geburtenraten sind, steht immer wieder im Raum. Kürzlich sorgte die Meldung der Weltbank für Hoffnung, dass weltweit die Anzahl der Menschen, die in Armut leben, zurückgegangen ist, trotz des rasanten Bevölkerungswachstums.

 

Es wird seit dem von Thomas Robert Malthus (1766 - 1834; britischer Ökonom) aufgestellten "Bevölkerungsgesetz", also "dass die unkontrollierte Vermehrungskraft der Bevölkerung über das Wachstumspotential der Nahrungsmittelproduktion hinausgeht"¹, immer wieder behauptet, dass die hohen Geburtenraten die Ursache von Hungersnöten sind. Dies ist jedoch nicht der Fall. Amartya Sen (geb. 1933; indischer Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph) hat festgestellt, dass es in Ländern mit funktionierenden demokratischen Strukturen keine Hungersnöte gibt, selbst als Folge von Naturkatastrophen nicht². Nahrungsmangel gibt es in Kriegsregionen und in Staaten mit diktatorischen Regimen, in denen weit verbreitete Korruption herrscht. Die politische und militärische Elite dort hungert natürlich nicht.

Nein, bei Hungerkatastrophen ist die Verteilung das Problem und nicht fehlende Nahrung aufgrund von Überbevölkerung.

 

Hohes Bevölkerungswachstum ist eine Herausforderung für Entwicklungsländer - ganz ohne Zweifel. Doch unzureichende Infrastruktur, geringes Wirtschaftswachstum, schwaches Bildungs- und Gesundheitssystem etc. sind ein Konzert aus vielen verschiedenen Ursachen. Eine gesunde Wirtschaft in einer Gemeinschaft, die ein gutes Bildungssystem hat und eine einigermaßen gerechte Ressourcenverteilung vornimmt, kann viele Menschen ernähren. 

 

¹Gunter Steinmann: "Thomas Robert Malthus" in: Klassiker des ökonomischen Denkens, Joachim Starbatty (Hrsg.), C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München 1989

²Amartya Sen: "Democracy as Freedom", Anchor 1999

 

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Wissen Sie, wie sich der Preis Ihres Kaffees zusammensetzt?

Von dem Preis, den Sie für Ihren Kaffee im Laden bezahlen, verbleiben ca. 70 % in unserem Land. Und nur ca. 30 % fließt in die Erzeugerländer1. Und das auch nur bei Fair Trade Kaffee. Bei herkömmlichem Kaffee beträgt der Anteil, der in Deutschland bleibt mehr als 86 % und nur ca. 14 % werden in den Anbauländern verdient2. Die Kaffeebauern sind unmittelbar von den Preisentwicklungen am Weltmarkt abhängig, so dass ihre Einkommen bei einem Preisverfall sofort sinken. An uns Verbraucher hingegen wird ein Preisverfall nicht sofort weitergegeben, sondern die verarbeitende Kaffeeindustrie und die Einzelhändler in den Importländern streichen die zusätzlichen Gewinne ein. In einer Untersuchung der Weltbank stellte J. Morisset fest, dass zwischen 1975 und 1993 der Weltmarktpreis von Kaffee um 18% gesunken ist; aber der Verbraucherpreis in den USA um 240% anstieg.3 Ein Preisanstieg erreicht uns Verbraucher ziemlich umgehend; die Kaffeebauern aber zum Glück auch.

 

Von einem Einzelhandelsverkaufspreis hierzulande von z.B. 5,49 € pro 500 Gramm gerösteten Kaffee verdienen die Pflücker ca. 0,28 € und ca. 0,46 € erhalten die Plantagenbesitzer. Rd. 4,70 € werden jedoch ab Landesgrenze verdient. Wie kommt das?

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Weniger Armut weltweit!

Worldbank
Worldbank

Endlich einmal gute Nachrichten: Zwischen 2005 – 2008 ist laut Schätzung der Weltbank die Armutsrate weltweit gesunken, zum ersten Mal überhaupt. Armut ist hier definiert als der Anteil der Menschen, die von weniger als 1,25 US $ pro Tag (Basisjahr 2005) leben. Einen großen Anteil am Abwärtstrend hat China zu verzeichnen. Doch den größten Erfolg in der Bekämpfung von Armut haben die Länder Sub-Sahara Afrikas geschafft. Dort sank die Armut um 5 % im Jahr 2008. Das bedeutet, dass in afrikanischen Ländern südlich der Sahara zum ersten Mal weniger als die Hälfte der gesamten Bevölkerung unter oben genannter Armutsgrenze leben. Die Weltbank schätzt weiter, dass dieser Trend auch für 2009 und 2010 anhält, trotz weltweiter Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise. (Näheres hier.)

 

Damit wird das erste Millennium-Entwicklungsziel, extreme Armut, basierend auf den Zahlen von 1990, um die Hälfte bis zum Jahr 2015 zu verringern, voraussichtlich bereits vorzeitig erreicht werden.

 

Diese wirklich ermutigenden Neuigkeiten sollen dazu einladen, dem positiven Trend Nachhaltigkeit zu verschaffen und darüber hinaus neue Ziele zu verankern, damit die ca. 1 Milliarde Menschen, die noch immer in extremer Armut leben, auch noch erreicht werden.

Sambia: Neuer Fußball Afrikameister!

Heute wurde das Endspiel der Fußball-Afrikameisterschaft in Libreville, Gabun (Westafrika) ausgetragen. Mit  8: 7 gewann Sambia gegen Côte d'Ivoire das Turnier.

 

Das gemütliche Spiel wurde erstmals in der 69. Minute spannend, als Drogba die Chance zur Führung durch einen Elfmeter auf dem Fuß hatte und .... verschoss. Danach ging es gemächlich weiter. Der Favorit Côte d'Ivoire flößte Sambia keinen Respekt ein. Sambia war für mich die klar bessere Mannschaft und ist zurecht am Schluss durch ein spannendes Elfmeterschießen afrikanischer Meister geworden.

 

Die Afrikameisterschaften werden übrigens, anders als in Europa, alle 2 Jahre ausgetragen. Auf die nächste Meisterschaft können wir uns allerdings bereits im kommenden Jahr freuen. Die Meisterschaft soll künftig in ungeraden Jahren stattfinden, um nicht mehr alle vier Jahre mit der Weltmeisterschaft zusammenzufallen.

 

Übrigens: Uganda wurde 1978 Vizeafrikameister. Seitdem spielen sie aber keine nennenswerte Rolle mehr.

Armut, was ist das?

Uganda und Guatemala: zwei landschaftlich wunderschöne Länder, die zum Reisen einladen. Jedoch kann ihre Schönheit nicht verhehlen, dass es sich um zwei der ärmsten Länder der Welt handelt. In Uganda leben 24,5 % der Bevölkerung in Armut (Stand: 2010), in Guatemala sind es sogar 51 % (Stand: 2006, neuere Daten liegen noch nicht vor).


Wann bezeichnet man Menschen als arm? Eine einheitliche Definition gibt es nicht, doch wie wird Armut gemessen und somit vergleichbar gemacht? Zum einen gibt es die berühmte absolute Armutsgrenze von 1,25 US$ pro Tag gemessen in Kaufkraftparität (inflationsbereinigt zum Jahr 2005), die von der Weltbank eingeführt wurde. Hier wird gemessen, wieviel sich ein Bewohner eines Landes für umgerechnet 1,25 US$ kaufen kann. Es ist schwer vorstellbar, von diesem Betrag in den USA oder in Deutschland zu überleben. Für Uganda könnte man es sich aber schon eher vorstellen, oder? Und tatsächlich liegt die nationale Armutsgrenze in Uganda bei umgerechnet ungefähr 1,25 US$ pro Tag. Hierin ist aber nicht nur Nahrung enthalten, sondern auch weitere Güter wie Kleidung, Unterkunft etc. In Guatemala hingegen werden Menschen als arm bezeichnet, wenn sie von umgerechnet 2,30 US$ pro Tag leben müssen.


Daneben gibt es noch den Begriff der relativen Armut, der besondere Relevanz für entwickelte Länder hat. Hierunter fallen Personen, deren Einkommen deutlich unter dem durchschnittlichen Einkommen aller Einwohner ihres jeweiligen Landes liegt. Und damit werden Menschen als arm angesehen, auch wenn sie deutlich mehr als 1,25 US$ pro Tag zur Verfügung haben.


Doch all diese Definitionen berücksichtigen lediglich die ökonomische Seite und greifen viel zu kurz. Sind Menschen nicht auch arm, wenn sie vom politischen und sozialen Geschehen ausgeschlossen sind? Wenn sie keinen Zugang zu Bildung und somit keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben haben?


Daher wurde der Begriff der Armut erheblich erweitert und der „Human Development Index (HDI)“ eingeführt, der jährlich von den Vereinten Nationen veröffentlich wird. Entwickelt wurde der HDI in Zusammenarbeit zwischen dem pakistanischen Ökonom Mahbub ul Haq, dem indischen Ökonom und Nobelpreisträger Amarty Sen und dem britischen Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Meghnad Desai. Der HDI berücksichtigt nicht nur das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes, sondern auch die durchschnittliche Lebenserwartung und den Bildungsgrad seiner Bewohner.

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