Sklaven, Voodoo und mehr

 

Heimatgeschichte anschaulich erleben, das konnten vor kurzem mal wieder die Schülerinnen und Schüler unserer Partnerschule Pergame Plus in Bénin (Westafrika).

Dieses Jahr ging es nach Ouidah.

 

Ouidah war vor langer Zeit Handelsstadt und Zentrum des Sklavenhandels in Westafrika.

Die Stadt liegt 3,5 km vom Meer entfernt, so dass die Sklaven den Weg vom Sklavenmarkt im

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Uganda Reisebericht: Teil 5 - unterwegs in Kampala

Verkehr in Kampala, Uganda (© Brühl Stiftung)
Verkehr in Kampala, Uganda (© Brühl Stiftung)
(© Somero + Brühl Stiftung)
(© Somero + Brühl Stiftung)

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(von Ricardo Tell)

 

Am Mittag des ersten Tages in Kampala geht es für uns zu einer touristischen Besichtigung der Königsgräber. Allerdings ist nur ein Teil per Führung zugänglich; die Gräber selbst werden aufgrund eines Brandes zurzeit neu aufgebaut. Bei mir bleibt der Fakt hängen, dass der König zu Lebzeiten 84 Frauen hatte, die in den Häusern um den Palast lebten. Einige der Nachfahren der Frauen leben bis heute dort, um zu symbolisieren, dass der König zwar tot, aber nicht weg ist.

 

Den letzten Tag verbringen wir mit Claire, einer ehemaligen Somero Stipendiatin, die ein Studium für Interior- und Fashion-Design an der Makerere Universität absolviert hat und derzeit als Trainerin den Schneiderkurs am Somero Center leitet. Das Stipendium wurde teilfinanziert von der Stiftung meiner Mutter. Claire begleitet uns in die Stadt, um Stoffe zu kaufen. Als wir im Stadtzentrum ankommen und das Parkhaus erreichen, wird unser Auto nach Bomben abgesucht, was bei mir kein Gefühl von Sicherheit hinterlässt. Nach dem Parken des Autos sind wir auf der Treppe auf dem Weg zum Erdgeschoss, während zwei kleine Jungs an uns vorbeirennen, gefolgt von einem Wachmann, der ein Gewehr um seine Schulter hängen hat. Er schreit hinter den Jungen her und ein Stockwerk tiefer hält ein weiterer Mann einen der Jungen am Arm fest. Nach einem Augenblick haut der Mann die Beine des Kleinen weg und schleudert ihn auf den Steinboden, auf dem der Junge mit seinem Hinterkopf krachend aufkommt. Wir bleiben wie versteinert stehen und der Junge fängt an zu weinen, während der andere nicht mehr zu sehen ist. Als wir uns fragen, was passiert sei, erklärt uns ein Mann, dass die ca. 8 Jahre alten Jungs sich den Spaß erlaubt haben, mit dem Fahrstuhl rauf und runter zu fahren. Schockiert von der Kleinigkeit angesichts der gewalttätigen Strafe, überlege ich, ob ich in Uganda mein derzeitiges Alter erreicht hätte bei all den Dingen, die ich in meiner Kindheit angestellt habe. 

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Uganda Reisebericht: Teil 4 - im Somero Center

Somero Gradnation-Feier, Dezember 2017, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)
Somero Gradnation-Feier, Dezember 2017, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)

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(von Ricardo Tell)

 

Der nächste Tag steht unter dem Zeichen der Somero-Zeugnisverleihung (Graduation). Wir treffen um 9 Uhr im Somero Center ein und staunen über den geschmückten Hof, Stühle sind aufgestellt, Frauen laufen in Kleidern und Roben herum - ganz im Stile von Absolventen in den USA. Der Tag beginnt jedoch abermals mit einem Meeting, wobei wir die Ehre haben, mit dem Commissioner für Gender-Gleichheit und Recht aus dem Ministerium für Gender, Arbeit und soziale Entwicklung über die grundsätzliche Lage Ugandas zu reden.

 

Die Graduierungsfeier ist sehr aufwändig. Es läuft laute Musik, es wird getanzt, die AbsolventInnen des Schneiderkurses präsentieren eine Fashionshow, die Friseurinnen zeigen ihre beste Haarkunst und es wird gesungen. Auch die Ankündigung des Teams von Somero-Deutschland, also uns, darf nicht fehlen; wobei wir uns, wie übrigens auch der Commissioner, mit einer nicht vermeidbaren Tanzeinlage vorstellen müssen. Anschließend werden die Zeugnisse einzeln überreicht und Fotos geschossen. Es wird eine Torte angeschnitten und zu Mittag gegessen. Wir alle freuen uns darüber, dass das gesamte Areal des Somero Centers voller Menschen ist. Man spürt, wie das Center von der Community in dem Viertel angenommen wird und welche Bedeutung es für sie hat. Wir erfahren, dass Eltern gerne ihre Kinder in das Somero Cemter schicken, da sie wissen, dass sie dort in einem guten, sicheren Umfeld sind und nicht mit Drogen und Gewalt in Berührung kommen. 

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Uganda Reisebericht: Teil 3 - Arbeiten im Slum

Somero Center, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)
Somero Center, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)

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(von Ricardo Tell)

 

In Kampala angekommen, überrascht uns der Leiter von Somero Uganda, Geofrey, mit seinem Besuch zum Abendessen und heißt uns in Uganda willkommen. Er stellt uns den Plan vor, den er sich für uns für die kommenden Tage überlegt hat, und wir stellen fest, dass auch die restlichen Tage kein Entspannungsurlaub werden.

 

Am nächsten Morgen holt uns Geofrey mit dem Auto ab. Wir fahren zum alten Somero Center in Kawempe, dem größten Slum Kampalas, und nehmen uns kurz die Zeit, es zu besichtigen. Ich sehe einen kleinen Hof, nackte Steinwände und kleine verschlossene Räumlichkeiten. In Deutschland würde man davon ausgehen, dass das Gelände unbenutzt und leerstehend ist, hier bin ich mir da nicht sicher. Es geht weiter hinein nach Kawempe zum neuen Somero Center. Ein Tor öffnet sich und wir gelangen in ein von Mauern umgebenes relativ großes Areal. Ich sehe mehrere Gebäude, einen großen Hof und alles ist recht freundlich gestaltet.

 

Der Kontrast zwischen altem und neuem Center, den Geofrey uns offenbaren wollte, ist deutlich. Während eines Rundgangs stellt uns Geofrey alle aktuellen Projekte von Somero vor. Der Hof bietet mit einer überdachten Fläche und mit Musikboxen Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit zusammen zu kommen, zu entspannen und zu tanzen. Im hinteren Bereich ist eine Spielfläche für kleinere Kinder zu finden, an die sich Räumlichkeiten anschließen, die zu einer professionellen Kinderbetreuung umgestaltet werden könnten. Die Überdachung der Freifläche ist noch rudimentär und bei Regen läuft das Wasser auf die Spielfläche. 

Für die Ausbildungskurse stehen PC-Räume, ein Nähraum, ein Raum für die Friseurausbildung und diverse Arbeitsräume zur Verfügung.

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Uganda Reisebericht: Teil 2 - im Nationalpark

Überfahrt über den Nil (© Brühl Stiftung)
Überfahrt über den Nil (© Brühl Stiftung)

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(von Ricardo Tell)

 

Im Murchison Falls Nationalpark angekommen, braucht es keine 5 Minuten, bis wir das erste Mal den Fahrer zum Anhalten bewegen. Eine Gruppe von Affen sitzt am Straßenrand, erblickt uns und verschwindet im Dickicht des Waldes. Während wir verkrampft versuchen, dieses einzigartige Ereignis in einem halbwegs anschaulichen Foto festzuhalten, wissen wir nach weiteren 10 Minuten gar nicht mehr, wie viele Gruppen von Affen wir denn jetzt gesehen haben.

 

Als wir unsere Unterkunft, die Murchison Falls River Lodge, erreichen, begrüßen uns die Mitarbeiter mit einem Glas Saft aus der Passionsfrucht und führen uns zu unserer Lodge, während wir gespannt der Erläuterung lauschen, nachts nie allein und ohne Lodge-Mitarbeiter auf dem Gelände herumzulaufen, da Nilpferde zum Weiden das Gelände passieren könnten. Etwas vorsichtig, da natürlich ohne Führer, wagen wir uns anschließend auf den Weg zum Restaurant, um unser Abendessen einzunehmen. Übrigens: Das Essen dort ist vorzüglich.

 

Wieder höre ich das Klingeln des Weckers und schon wieder ist es noch dunkel draußen. Um 5:45 Uhr wollen wir 

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Uganda Reisebericht: Teil 1 - Anreise

Es ist viertel vor 5, ich hatte 2 Stunden Schlaf, der Radiowecker krächzt mit voller Lautstärke und trotzdem bin ich hellwach und gut gelaunt - eigentlich unmöglich; jedoch an einem Morgen, an dem eine Reise ansteht, für mich selbstverständlich. Und heute ist so ein Morgen. Der Rucksack ist gepackt, die Wohnung ausnahmsweise aufgeräumt und geputzt und die Vorfreude auf Uganda nimmt mit jeder Minute zu.

 

Am Flughafen angekommen, treffe ich mich mit meiner Mutter. Auch sie ist so wach, wie ich sie in den letzten 3 Jahren noch nie um kurz vor 6 gesehen habe; auch wenn ich ihr ansehe, dass sie sich schönere Dinge als die bevorstehenden ca. 9 Stunden Flugzeit vorstellen könnte. Aber zunächst beschränkt sich die Zeit im Flieger auf eine Stunde bis nach Brüssel. In Brüssel angekommen, treffen wir mit dem Rest unserer Reisegruppe zusammen: Janna und Lina, Vorstandsmitglieder von Somero e.V.. Die Reise ist eine Projektreise des Vereins, um ein von der Bingo-Stiftung finanziertes Projekt bei der Partnerorganisation Somero Uganda zu begutachten, die Finanzen zu besprechen und einen Blick auf künftige Projekte zu werfen. Meine Mutter ist ebenfalls im Vorstand von Somero e.V.. Ich fliege aus Interesse mit.

 

10 Tage Afrika. Absurd. Aus ökologischer Perspektive darf man den Trip bestimmt nicht betrachten. Aber so ist das, wenn meine 3 Begleiterinnen im Alltag einem festen Job nachgehen, um sich und, im Falle meiner Mutter, auch noch einem geldlosen Studenten wie mir, so eine Reise zu finanzieren. Länger funktioniert das nicht.

Nach einem ruhigen Flug in Entebbe angekommen, geht es überraschend zügig durch die gut organisierte Einreisekontrolle; das Gepäck läuft schon abholbereit auf dem Gepäckband und im Handumdrehen können wir den Flughafen verlassen. Das kenne ich aus Bénin, Westafrika, aber anders.

 

Vor dem Ausgang des Flughafens nimmt uns ein Fahrer in Empfang, der uns zu unserer Unterkunft, dem Via Via 

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Mein schönstes Weihnachtsgeschenk

Wir kommen gerade aus Uganda zurück. Wir, das sind die Vorstandsmitglieder von Somero Deutschland: Janna, Lina und ich, begleitet von meinem Sohn. Wir besuchten letzte Woche unsere Partnerorganisation Somero Uganda in Kampala.

 

Uganda ist eins der ärmsten Länder der Welt. Dies ist insbesondere in Kawempe, dem größten Slum in der Hauptstadt Kampala, deutlich sichtbar. Dort befindet sich das Somero Center. Hautnah zu erleben, unter welchen Bedingungen die Arbeit der Trainer und Sozialarbeiter in der Community stattfindet und was Armut wirklich bedeutet, in der die Stipendiatinnen und Stipendiaten von Somero leben, ist eine Erfahrung, die man nicht vermitteln kann, wenn man es nicht selbst erlebt und mit angesehen hat.

 

Das beeindruckendste aber war für mich, dass die jungen Menschen, die unter diesen ärmsten Gegebenheiten leben, nach jeder nur erdenklichen Möglichkeit greifen, um sich zu freuen und zu lachen. Sie suchen geradezu nach positiven, fröhlichen Situationen und Gelegenheiten. Wann immer es passt, singen und tanzen sie. Was für ein Kontrast zu unserem Leben.

Diese Fröhlichkeit und Gelassenheit, Dinge auf sich zukommen zu lassen, sowie ihre stille Dankbarkeit für die Chance, die sich ihnen durch das Somero Center bietet, in eine bessere Zukunft zu schauen, haben mich tief bewegt.

 

Das zu erleben und ein kleiner Teil der zukunftstiftenden Arbeit zu sein, ist mein Weihnachtsgeschenk. Ein besseres kann es nicht geben.  

Bénin hat gewählt

Bénin 2015: Fahrt von Cotonou nach Abomey (© Brühl Stiftung)
Bénin 2015: Fahrt von Cotonou nach Abomey (© Brühl Stiftung)

Bénin hat einen neuen Präsidenten: Patrice Talon hat sich am vergangenen Sonntag gegen den amtierenden Premierminister Zinsou durchgesetzt.

 

Talon ist als Unternehmer in der Baumwollindustrie und als Betreiber des Hafens von Cotonou reich geworden. Die Béniner erhoffen sich von ihm einen ähnlichen Erfolg bei der Entwicklung ihres Landes.

Doch die Béniner sind bescheiden geworden. Der noch amtierende Präsident Thomas Boni Yayi ist Wirtschaftswissenschaftler und war in der Vergangenheit u.a. Präsident der westafrikanischen Entwicklungsbank. Er kennt sich also aus in den Parametern, die zur Entwicklung eines Landes nötig sind. Ferner versprach er, die Korruption zu bekämpfen.

 

Bei seinem Amtsantritt in 2006 lag der Korruptionsindex Bénins bei 2,5 (Transparency International, 0 „extrem hohe Korruption“; 10 „keine Korruption).

In 2015 hatte Bénin einen Korruptionsindex von 3,7.* Zugegeben: Es ist eine Verbesserung, aber nur eine ziemlich geringe.

 

Das Wirtschaftswachstum ging in der Amtszeit von Boni Yayi hoch und runter, was nicht nur hausgemacht ist, sondern natürlich auch auf internationale Tendenzen zurückzuführen ist. Lag das jährliche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2006 noch bei 3,9 %, so stieg es in 2014 auf 6,5 % an (Worldbank). Doch davon kommen nur 3,8 % im Durchschnitt pro Kopf an. An der Inflation liegt es nicht, denn die betrug 2014 nur -1,1 %. Zum großen Teil liegt es an der nach wie vor recht hohen Geburtenrate von 2,6 % pro Jahr (Stand: 2014); Tendenz allerdings sinkend.

 

Die Einkommensverteilung ist in der Amtszeit von Boni Yayi nicht gerechter geworden. Im Jahr 2003 haben 10% aller Arbeitnehmer, die sich im oberen Gehaltssegment befinden, 31,1 % des verfügbaren Gesamteinkommens verdient und im unteren Gehaltsniveau sind auf 10% aller Arbeitnehmer nur 2,9 % des verfügbaren Gesamteinkommens verteilt worden.

Im Jahr 2011 ist die Schere noch weiter auseinander gegangen, denn da wurden 34,5 % des verfügbaren Gesamteinkommens an die 10% Arbeitnehmer mit den höchsten Gehältern verteilt, und nur 2,5% des Gesamteinkommens an die 10% aller Arbeitnehmer, die am wenigsten verdienten (Worldbank, neue Daten leider nicht verfügbar.)

 

Die landesweite Armut ist nach wie vor nicht signifikant gesunken. 36,2 % aller Béniner lebten 2011 unter der nationalen Armutsgrenze gegenüber 37,2 % in 2006. Die nationale Armutsgrenze ist nicht offiziell definiert, liegt aber nach Schätzungen bei ungefähr 1,25 US$, die eine Person pro Tag zum Leben zur Verfügung hat, gerechnet in Kaufkraftparität (2005). Legt man die internationale Definition von Armutsgrenze zugrunde, die bei einem Ausgabenniveau von 3,10 US$ pro Tag und Person liegt (Kraufkraftparität, 2011), so ist die Zahl derer, die in Armut leben mit 75,6% enorm hoch.

 

Nun liegen die Hoffnungen auf Patrice Talon, der am 6. April 2016 sein Präsidentschaftsamt antritt. Wir wünschen allen Béninern einen guten Präsidenten mit kompetenten Regierungsmitgliedern, die für eine vielversprechende Zukunft sorgen.

 

 

*Mittlerweile wird der Korruptionsindex von Transparency International auf einer Skala von 0 – 100 bewertet. Der Korruptionsindex für Bénin liegt demnach in 2015 bei 37.

 

Präsidentschaftswahlen in Bénin

Cotonou (Bénin) © Brühl Stiftung
Cotonou (Bénin) © Brühl Stiftung

 

Das kleine westafrikanische Land Bénin wählt einen neuen Präsidenten.

 

Die Wählerinnen und Wähler hatten am vergangenen Wochenende die Qual der Wahl, denn 33 Kandidaten standen zur Auswahl. Im ersten Wahlgang gab es jedoch keine absolute Mehrheit für einen Kandidaten, daher steht nächsten Sonntag (20.03.2016) eine Stichwahl an zwischen dem amtierenden Premierminister Lionel Zinsou und dem Industriellen Patrice Talon.

 

Der amtierende Präsident Thomas Boni Yayi steht nach zwei Amtszeiten nicht zur Wiederwahl. Seine ursprünglich geplante Verfassungsänderung, um ihm eine weitere Kandidatur zu eröffnen, konnte er jedoch nicht durchsetzen.

 

Übrigens: Unter den ursprünglich 33 Präsidentschaftskandidaten gab es 2 Frauen.

 

Wir sind gespannt, wer das Rennen gewinnt. Aber mehr noch darauf, was sich unter dem nächsten Präsidenten für die Bürgerinnen und Bürger, besonders für diejenigen, die an der Armutsgrenze leben, ändert.

 

Wissen Sie, dass Budapest in Simbabwe liegt? - Eine Buchbesprechung

Suhrkamp Verlag
Suhrkamp Verlag

Budapest, Paradise, Bastard, Chipo, Darling: NoViolet Bulawayo entführt uns nach Simbabwe. Sie hat ein Buch ganz besonderer Art geschrieben.

 

Ihre Protagonisten, Darling, Chipo, Bastard und andere, sind Kinder und Jugendliche, deren Familien im Bürgerkrieg zu Zeiten Mugabes alles verloren haben und nun in einem Slum namens Paradise leben.

 

Eindrucksvoll und aus ungewöhnlicher Sicht entführt Bulawayo ihre Leser in eine Welt, die wir nur von außen her kennen. Sie lässt den Alltag aus Sicht dieser Kinder vor unseren Augen entstehen, der zwar von Armut und Hunger geprägt ist, aber auch eine sehr fröhliche, freie und fantasievolle Seite der Kindheit hat.

 

Selbst in Simbabwe geboren und aufgewachsen, liegt NoViolet Bulawayo eine beschönigende, verklärende Afrika-Beschreibung fern. Aber auch ein Einheitsurteil nach dem Motto „alles ist schlecht“ ist bei ihr nicht zu finden.

Ihre jungen Protagonisten nehmen ihre Umwelt und Gemeinschaft kritisch wahr und hinterfragen soziale Normen, wie z.B. ein kirchliches Ritual des Dorfpredigers und der Gemeindemitglieder, das in Wahrheit eine Vergewaltigung ist.

 

Der Besuch von Vertretern einer NGO, die „Hilfsgüter“ verteilen, wird aus Sicht der Empfänger beschrieben.

Das gibt zu denken.

 

Die Diskrepanz zwischen armen Schwarzen und reichen Weißen, die unterschiedlicher nicht sein kann, erleben die Kinder anhand einer Plünderung eines von weißen Siedlern bewohnten Hauses im Stadtteil Budapest, 

dessen Besitzer verschleppt werden. Als das Haus leer steht, schleichen die Kinder hinein und bestaunen Dinge wie:  

Klimaanlage, Keramiktoilette, Esszimmer, Fotos.

 

In der zweiten Buchhälfte wird Darling, eine der jungen Protagonisten, zu Verwandten in die USA geschickt, um vom heimischen Bürgerkrieg verschont zu bleiben und in der Ferne ein besseres Leben zu führen. Auch hier besticht wieder die ungewöhnliche Sichtweise, da dem Leser nun seine ihm vertraute Welt mit all den gewohnten Annehmlichkeiten und Selbstverständlichkeiten aus Sicht einer jungen Afrikanerin vor Augen geführt wird. Nichts ist dieser Afrikanerin in ihrer neuen Umgebung selbstverständlich:

 

  • Schnee, den es in Simbabwe nicht, in Michigan aber im Überfluss gibt;
  • Nachbarn, die man nicht kennt;
  • Bewegung, die man sich auf einem Laufband verschafft;
  • Kinder, die allein vor einer Spielekonsole sitzen und nicht gemeinsam draußen spielen;
  • Menschen, die so wenig über Afrika wissen.

 

Der Leser erlebt den schleichenden Prozess der Entfremdung und Entwurzelung mit, das Gefühl „wo gehöre ich hin?“. Eher nebensächlich erwähnt Bulawayo, dass ihre Protagonistin illegal in den USA aufwächst. An der Stelle stellt sich dem Leser die Frage der Rückkehr schon nicht mehr.

 

Kurzum: ein vielschichtiger Roman mit einer beeindruckend frischen Sprachgewaltigkeit. Ich mochte nicht aufhören zu lesen und war traurig, als ich den letzten Satz erreichte.

 

"Wir brauchen neue Namen"

Autorin: NoViolet Bulawayo

Erschienen: 18.08.2014 im Suhrkamp Verlag

Gebunden, 264 Seiten

ISBN: 978-3-518-42451-3 

Wie verlief das Wirtschaftsjahr 2013/2014 in Uganda?

Trotz großer Herausforderungen aufgrund der Unruhen in den Nachbarregionen ist Ugandas Wirtschaftsleistung weiterhin stabil. Die Wirtschaftsleistung betrug im vergangenen Wirtschaftsjahr, das im Juli 2014 endete, 5,7 % und wird laut aktuellem Länderbericht des Internationalen Währungsfonds* für das nächste Haushaltsjahr auf 6,1 % prognostiziert.

 

Die positive Wirtschaftsleistung ist überwiegend auf Staatsausgaben und gestiegene Exportleistungen zurückzuführen. Der Anteil des privaten Sektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lässt weiterhin zu

wünschen übrig. Hier muss dringend etwas getan werden, besonders im Landwirtschaftssektor, in dem die meisten Arbeitskräfte tätig sind, dessen Anteil am BIP aber mit 25 % am niedrigsten ist. 

 

Die jährliche Inflationsrate (Verbraucherpreisindex) ist mit 6,9 % um 1 Prozentpunkt gestiegen gegenüber dem Vorjahr, die Jahresteuerungsrate (d.h. Inflationsrate ohne Nahrungsmittel und 

 

Energiekosten) sank um 1,2 % auf 5,4 %. Gründe waren u.a. die Aufwertung der Währung sowie moderatere Nahrungsmittelpreise. 

 

Das Haushaltsdefizit hingegen lässt aufhorchen, denn es ist wegen geringerer Steuereinnahmen von -3,4 % in 2012/2013 auf -4,8 % in 2013/2014 gestiegen. Handelseinbußen und Ausfälle von Überweisungen von im Ausland lebenden Ugandern mussten aufgrund der Krisensituationen in den Nachbarländern Südsudan und Kongo hingenommen werden. Die Staatsausgaben hingegen sanken nicht, sondern die vom Parlament genehmigten Ausgaben sind auch getätigt worden. Ferner stiegen die Militär- und Verteidigungsausgaben sowie Kosten für Flüchtlingsaufnahme aufgrund der oben genannten Krisensituationen in den Nachbarländern. 

 

Das Defizit muss hauptsächlich mit Krediten entweder bei einheimischen oder bei ausländischen Banken sowie durch Auslandsdirektinvestitionen und dem Verzehr ausländischer Währungsreserven ausgeglichen werden. Ugandas Währungsreserve ist aufgrund gestiegener Exporte positiv. Mehreinnahmen durch internationale Entwicklungshilfegelder sind jedoch wegen der politischen Lage (Stichwort: Gesetz gegen Homosexuelle) nicht zu erwarten; eher das Gegenteil ist der Fall: Zugesagte Gelder sind eingefroren worden.

 

Um das Haushaltsdefizit im kommenden Wirtschaftsjahr 2014/2015 zu minimieren, müsste die Regierung ihre Ausgaben senken und die vorhandenen Steuergesetze zur Erhöhung der Einnahmen durchsetzen. In der Tat hat sie bereits Maßnahmen zur effizienteren Steuereintreibung angekündigt. Auf der Ausgabenseite stehen jedoch Investitionen für die zwei Wasserkraft-Großprojekte Karuma und Isimba an. Der Baustart hat sich aufgrund von Schwierigkeiten bei der Kreditbeschaffung verzögert. Gespräche mit der chinesischen Eximbank laufen derzeit. Weitere Verzögerungen würden die Ausgaben in die Höhe treiben.

 

Staatsausgaben sollten also gesenkt werden. Doch in 2015 beginnt der Wahlkampf für die in 2016 anstehenden Präsidentschaftswahlen....

 

Wachstumspotenzial wird in der anstehenden Implementierung der Ostafrikanischen Gemeinschaft (Kenia, Uganda, Tansania, Ruanda und Burundi) gesehen. Handelsschranken innerhalb der Mitgliedstaaten sollen bereits 2015 fallen. Die sinkenden Kosten bei den Warenströmen, die Einführung von Personalausweisen, die zu einer erhöhten Arbeitskräftemobilität führt, und Ausweitung von Infrastrukturmaßnahmen lassen auf ein verbessertes Investitionsklima hoffen, das zu einem weiteren Wirtschaftswachstum führen soll. 

 

*IMF Country Report 14/195 - Uganda; Washington, July 2014

 

 

 

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Wissen Sie, wie hoch das Wirtschaftswachstum Benins ist?

Cotonou (© Brühl Stiftung)
Cotonou (© Brühl Stiftung)

Die Prognosen für ein stabiles Wirtschaftswachstum in Benin sind laut aktuellem Bericht des Internationalen Währungsfonds* positiv: für 2013 und 2014 wird von einer Wachstumsrate in Höhe von 5,5 % ausgegangen; sie liegt somit seit 2012 stabil über 5 %. Im Jahr 2010 lag sie noch bei nur 2,6 % im Vergleich zum Vorjahr.

Begründet liegt dieser positive Trend in einer klugen Fiskalpolitik und einer langsam greifenden Strukturreform zur Verbesserung des Investitionsklimas.

 

Das Wirtschaftswachstum pro Kopf liegt mit 2,6 % nun innerhalb bzw. etwas über dem Durchschnitt der Region Sub-Sahara Afrikas. In 2011 war der Pro-Kopf-Anteil mit 0,7 % deutlich unterhalb des regionalen Durchschnitts von 2 %. Gebremst wird das Pro-Kopf-Einkommen allerdings von der hohen Geburtenrate, die bei 2,9 % liegt (Stand: 2012). 

 

Die positive Wirtschaftsleistung ist hauptsächlich im Agrarsektor und hier besonders in der Baumwollproduktion

© Beninese authorities; IMF staff estimates & projections; IMF country report 14/150
© Beninese authorities; IMF staff estimates & projections; IMF country report 14/150

begründet sowie in der Wirtschaftsleistung des Hafens zu finden. Die Baumwollproduktion stieg um 28 %; jedoch wird man wohl Einschränkungen in der Baumwollqualität zu verzeichnen haben, da aufgrund des lang anhaltenden Konflikts zwischen Regierung und Baumwollproduzenten die Ernte nicht rechtzeitig verarbeitet werden konnte und zu lange dem wechselhaften Wetter ausgesetzt war.

 

Die Steuereinnahmen sind hingegen nach wie vor zu gering. Der wachsende Agrarsektor zeichnet sich ja dadurch aus, dass er eher im informellen Sektor beheimatet ist, in dem keine Steuern gezahlt werden. Die Regierung hat eine Steuerverwaltungsreform initiiert und bereits erste Erfolge verzeichnet, aber eine weitreichende Durchsetzung muss erst noch greifen.

 

Der Anstieg an privaten Investitionen um 6 % (gemessen am Bruttoinlandsprodukt) darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Konditionen für Investitionen weiterhin deutlich verbessert werden müssen. Nur wenn der positive Investitionstrend anhält und die Wirtschaftsleistung im formalen, also steuerzahlenden Sektor, erwirtschaftet wird, kann dies zu nachhaltigem Wachstum und letztlich zu Armutsreduzierung führen.

 

 

*IMF Country Report 14/150 - Benin; Washington, Juni 2014

Wissen Sie, wieviel Spaß Arbeiten in Guatemala machen kann?

Voluntariat bei Nuestro Futuro (© Sarah Weinand)
Voluntariat bei Nuestro Futuro (© Sarah Weinand)

Abenteuer Freiwilligenarbeit in Guatemala

05.04.2014 von Sarah Weinand

 

"Ich war gerade mit meinem Studium fertig, als ich beschlossen hatte, eine Auszeit zwischen meinem Bachelor- und Masterstudium zu nehmen. Da ich schon Spanisch-Vorkenntnisse hatte, war die Entscheidung nach Lateinamerika zu gehen, schnell gefallen. In welches Land ich wollte, wusste ich nicht, also buchte ich einfach einen Flug nach Mexiko und machte mich auf den Weg. Schnell merkte ich, dass Mexiko ein überwältigend schönes Land ist, aber eben nicht das, wonach ich suchte. Da war der Entschluss, nach Guatemala weiterzuziehen nach nur zwei Wochen gemacht.

 

Den Moment, als ich in einem klapprigen Chicken-Bus saß und acht Stunden durch die guatemaltekische Landschaft gefahren bin, werde ich so schnell nicht vergessen. Bis heute weiß ich nicht, wo ich an diesem Tag überall war, aber es war ganz sicher ein Abenteuer. Die Fahrt war ruckelig, der Bus überfüllt, die Menschen neugierig, hilfsbereit und freundlich zugleich und die Landschaft atemberaubend. Da wusste ich gleich: hier bin ich richtig. In Antigua angekommen, gab es keinen Zweifel mehr, die Magie des kleinen Ortes hatte mich sofort gepackt. Die wunderschönen kolonialen Bauwerke, die farbenfrohen kleinen Gassen, die gemütlichen Restaurants und zahlreichen Bars, all das eingerahmt von riesigen

© Sarah Weinand
© Sarah Weinand

Vulkanen. Antigua lädt einfach zum Wohlfühlen ein und ich bin mir sicher, wer einmal in Antigua war, der kommt wieder.

 

Gemeinnützige Organisationen in Antigua gibt es viele und wer einmal dort ist, hat schnell auch die richtige für sich gefunden. Ich hatte mich entschlossen, in einer Grundschule zu unterrichten, so entschied ich mich für Ninos de Guatemala. Am Morgen unterstützte ich die Klassenlehrerin des ersten Schuljahres im Unterricht und bei der Unterrichtsvorbereitung. So lernte ich schnell die Strukturen und Lehrmethoden kennen. Wir übten mit den Kindern das Alphabet, Lesen und die Zahlen. Ich war überrascht, wie viele Kinder schon zu Beginn des ersten Schuljahres einfache Wörter lesen und auch schreiben konnten. Am Nachmittag durfte ich dann eigene Unterrichtsfächer gestalten und auch unterrichten. Ich entschied mich für Kunst und Geographie für die unteren Jahrgangsstufen. Es war fantastisch zu sehen, wie kreativ die Kinder sind. Wir bastelten Traumfänger, malten den Maya-Kalender, zeichneten Weltkarten und lernten Tiere aus den unterschiedlichsten Ländern kennen.

 

Die Kinder haben sich schnell an mich gewöhnt. Wir spielten, tobten und kuschelten in den Pausen. Die Kids liebten es zu erzählen, was sie im Unterricht Neues gelernt hatten. Stolz stellten einige Kinder mir sogar ihre Geschwister und Familienangehörige vor. Ich war beeindruckt über die Aufgeschlossenheit der Kinder, über das Vertrauen des Teams, aber vor allem über die Tatsache, dass jeder von jedem zu lernen schien. Auch ich lernte Tag für Tag von den Kindern, besonders über mich selbst. Oft hatte ich das Gefühl, dass die Energie und Stimmung, die ich mit in die Schule brachte, sich direkt auf den Gesichtern der Kinder widerspiegelte. Das gemeinsame Lernen und Spaßhaben schweißte uns zusammen und machte den Abschied schwer.

 

Alles fing an mit einem neuen Abenteuer, mit einer neuen Herausforderung. Es endete mit einer kleinen Veränderung, vor allem für mich selbst. Ich habe ein kleines Stück meiner Zeit und meiner Verbundenheit gegeben und habe viel Freude, Glück und Dankbarkeit zurückbekommen. Das sind wohl die wertvollsten Dinge, die ich mit auf meinen Weg und nach Hause nehmen konnte.

 

Ich kam nach Guatemala, um zu unterrichten, doch ich habe viel mehr gelernt, als ich hätte lehren können. Nun ist es an der Zeit, das Glück und die Freude mitzunehmen, egal wohin ich gehe. Das wird wohl die größere Herausforderung sein."

 

Sarah ist vor zwei Monaten nach Deutschland zurückgekehrt und setzt sich nun von hier aus tatkräftig für unsere Partnerorganisation „Ninos de Guatemala“ ein. Wir danken ihr sehr herzlich für ihren Bericht!

 

Sie haben Interesse, selbst praktische Erfahrungen in Guatemala zu sammeln? Warum nicht an unserer Partnerschule "Nuestro Futuro" voluntieren? Nähere Informationen finden Sie hier oder sprechen Sie uns an. Sie sprechen kein Spanisch? Macht nichts: Absolvieren Sie einfach einen Sprachkurs in Antigua. Auch hierbei ist Ihnen unsere Partnerorganisation gern behilflich.

Wo lebt die jüngste Bevölkerung der Welt?

© Brühl Stiftung
© Brühl Stiftung

Während sich Deutschland Gedanken über seine langsam veraltende Gesellschaft und niedrige Geburtenraten macht, haben die meisten Entwicklungsländer ein entgegen gesetztes Problem: Sie haben eine zu junge Bevölkerung und ein zu hohes Bevölkerungswachstum.

 

Das Durchschnittsalter in Uganda liegt bei 15,5 Jahren. Damit hat Uganda die jüngste Bevölkerung der Welt. Zum Vergleich: In Deutschland ist die Bevölkerung im Durchschnitt 43,7 Jahre alt. 

 

Wir haben heute einen kleinen Ausflug in die Datenbank der Stiftung Weltbevölkerung unternommen und unsere Partnerländer verglichen:

 

  • Anteil der Bevölkerung, der jünger als 15 Jahre alt ist:

 

Benin     Uganda     

Subsahara   

Afrika

Guatemala   

Lateinamerika/

Karibik              

 43 %    49 % 42 % 41 %

 

28 %


Zum Vergleich:

Deutschland: 13 %;

Europa: 16 %;

weltweit: 26 %

 

Am anderen Ende sieht die Pyramide spiegelverkehrt aus:

 

  • Anteil der Bevölkerung, der älter als 64 Jahre ist:

 

Benin     Uganda     

Subsahara   

Afrika

Guatemala   

Lateinamerika/

Karibik              

 3 %    2 % 3% 4 % 7 %

 

Zum Vergleich:
Deutschland: 21 %

Europa und weltweit: 16 %

 

  • durchschnittliche Geburtenrate pro Jahr:
 
Benin     Uganda     

Subsahara   

Afrika

Guatemala   

Lateinamerika/

Karibik              

 2,7 %    3,3 % 2,6 % 2,5 % 1,1 %

Zum Vergleich:

Deutschland: -0,1 %
 
Wie man sehen kann, ist der Anteil an jungen Menschen in all unseren Partnerländern sehr hoch. Das stellt eine große Herausforderung dar. All diese Länder sind sehr arm. Um die Armut zu reduzieren, müssen Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten auch die Ärmsten erreichen. Das ist leichter gesagt, als getan, denn ein Großteil der armen Bevölkerung lebt auf dem Land in weit abgelegenen Gegenden. Das Menschenrecht auf Schulbildung kostet Geld, das diese Länder nicht haben. Das führt dazu, dass es viel zu wenig Schulen gibt. Der Schulweg beträgt in Uganda nicht selten 3 bis 5 km. Das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel ist der Fußmarsch. Viele öffentliche Schulen sind unterfinanziert: ausreichender Schulraum fehlt, was zu einer Klassenstärke von über 100 SchülerInnen führt; Lehrergehälter sind so gering, dass die Lehrer Zweitjobs nachgehen müssen, wodurch sie Unterricht ausfallen lassen.
 
Aber auch wenn mehr Menschen die Schul- und Ausbildungszeit erfolgreich beenden, so müssen ausreichende und adäquate Arbeitsplätze vorhanden sein. Es muss ein ermutigendes Klima zur Unternehmensgründung geschaffen werden mit verlässlichen Rechtsverhältnissen. 
 
Dies sind nur ein paar wenige Punkte, um die Situation zu veranschaulichen. Die Zusammenhänge sind natürlich viel komplexer. Die Staaten selbst sind gefordert, Korruption Einhalt zu gebieten, Steuereinnahmen zu erhöhen, Haushaltsgelder sinnvoll und armutsreduzierend einzusetzen und für eine gerechtete Vermögensverteilung zu sorgen. Dies und noch viel mehr kann ihnen nicht abgenommen werden. Je breiter und höher der Bildungsstand der Bevölkerung ist, je mehr kann sie sich einmischen und ihre jeweilige Regierung zur Verantwortung ziehen. Dafür lohnt es sich, in Bildung zu investieren.  
 
Quellen:
Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (hier)
Datenbank der Stiftung Weltbevölkerung (hier)

Uganda und Klimaschutz?

© Marlies Jansen
© Marlies Jansen

Uganda beendet im nächsten Jahr seine Vorbereitungsphase im Rahmen der UN-Initiative zur Verringerung der Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern, der sogenannten REDD bzw. REDD Plus Initiative.

 

Entwicklungsländer, die sich der REDD Initiative anschließen, erhalten Kompensationszahlungen für überprüfbare CO2 Emissionsreduzierungen durch:

  • Waldschutzmaßnahmen (REDD)
  • nachhaltige Waldbewirtschaftungsformen und
  • Verbesserung der Wirtschaftslage von Waldbewohnern (REDD Plus)

Die Idee ist, den Schutz und die Aufforstung von Wäldern den beteiligten Ländern finanziell attraktiv zu machen. Es gibt eine mehrjährige Vorbereitungsphase, in denen die Länder beraten werden und erste finanzielle Unterstützung erhalten. Ugandas Vorbereitung läuft seit 2012.

 

An der Finanzierung beteiligen sich die Länder zu einem geringen Teil mit ihrem Haushaltsbudget; der Großteil stammt aus dem Readiness Fund und dem Carbon Fund der Weltbank (im Rahmen der Forest Carbon Partnership Facility - FCPF) sowie von Geberorganisationen und -ländern. Es ist eine Form der sektorgebundenen Entwicklungszusammenarbeit, auch SWAp (sector-wide approach) genannt.

 

Uganda, auch als "Grünes Herz Afrikas" bezeichnet, gehört zu den Ländern mit einer hohen jährlichen Waldvernichtungsrate. War Ugandas Landfläche im Jahr 1890 noch zu 35 % bewaldet, so waren es 1990 nur

 

 

© Marlies Jansen
© Marlies Jansen

noch 24 % und 2011 ganze 17 % (UNDP/NEMA/UNEP, 2009. Die Zahlen variieren je nach Quelle). Jährlich werden ca. 2,2 % der Waldfläche in Uganda vernichtet (FAO). 

 

Mit der Abholzung geht ein steigender CO2 Emissionsstoß einher.

 

Die Gründe für die Abholzung sind vielfältig, wie z.B.:

 

  • hohes Bevölkerungswachstum, verbunden mit hohen Armutszahlen:
    Die Bevölkerung, die in Armut lebt, ist zum Überleben auf den direkten Konsum des Naturangebots angewiesen. Sie braucht Holz, um sich eine Unterkunft zu zimmer, das gerodete Land, um Nahrung anzubauen. In Uganda leben ca. 24,5 % der Menschen unterhalb der nationalen Armutsgrenze, die bei ca. 1,25 US$/Tag Kaufkraftparität liegt; 27,% leben in ländlichen Gebieten (UNHS 2009/10), also fast ein Drittel der Bevölkerung ist die Natur direkt angewiesen. Das hohe Bevölkerungswachstum von durchschnittlich 3,25 % pro Jahr trägt zur weiteren Abholzung bei, da mehr Menschen mehr Land benötigen;
  • unzureichende Rechtsgrundlage bei Landrechten:
    Die arme Landbevölkerung ist auf die illegale Nutzung von Land angewiesen, da sie sich zum einen aufgrund ihrer Armut keinen legalen Landkauf leisten kann, zum anderen sind die Voraussetzungen für den legalen Grunderwerb in weiten Teilen des Landes noch immer schlecht, teilweise auch unmöglich. Landbesitzer leben oft in unsicheren Rechtsverhältnissen und können daher leicht von ihrem Grund und Boden vertrieben werden. Tritt dies ein, suchen sie sich einen anderen Ort, was wiederum die Waldrodung beschleunigt;
  • die Ausdehnung der Agrarproduktion,
    um die rasant wachsende Bevölkerung ausreichend zu ernähren, trägt zur Beschleunigung von Abholzung bei;
  • wachsender Energiebedarf:
    Durch die Zunahme der Bevölkerung steigt der Energieverbrauch. Der Ausbau alternativer Energiegewinnung z.B. durch Wasserkraftwerke ist noch sehr gering. 90 % des Energiebedarfs in Uganda werden durch Holz und Holzkohle gedeckt.

 

  • Aber auch im Industriesektor steigt der Nutzholzverbrauch rasant, weil Holz z.B. zur Herstellung von Zement, PVCs, Farbe etc. benötigt wird. Schätzungen zufolge übersteigt die jährliche Nachfrage an Nutzholz im Industriebereich das Zweifache der nachhaltigen Abholzungsgrenze.

 

Quellen:

  • "REDD Readiness Preparation Proposal for Uganda" (April 2011)
  • "REDD and Sustainable Development - Perspective from Uganda", Working Paper 2010, Gorettie Nabanogo, Justine Nambaalwa, Edward Ssenyonjo; International Institute for Environment and Development (UK) and Makerere University (Uganda)

 

Wissen Sie, dass 67 Mio Kinder nicht zur Schule gehen?

Schule in Uganda
Schule in Uganda

Und dass rund 796 Mio Erwachsene Analphabeten sind?1 Das sind ca. 17 % der erwachsenen Weltbevölkerung. Die meisten dieser Erwachsenen leben in Süd- und Westasien und in Subsahara Afrika. Grund genug, uns einmal die Bildungssituation in den beiden Ländern genauer anzuschauen, in denen wir uns engagieren: Uganda und Guatemala

 

27 % der Bevölkerung Ugandas über 15 Jahre kann nicht lesen und schreiben2; in Guatemala sind es 26 %.3 Die Bevölkerung in ländlichen Gebieten ist in beiden Ländern am meisten betroffen und hier im besonderen die Frauen.

 

Seit im Jahr 2001 die Millennium-Entwicklungsziele von den Vereinten Nationen verabschiedet wurden, zu denen u.a. das Ziel der „universellen Grundschulbildung“ zählt, haben sowohl Uganda als auch Guatemala die Schulgebühren für öffentliche Grundschulen abgeschafft. Dies hat in beiden Ländern zu einem Anstieg der Einschulungsquoten geführt: In Uganda gehen 91% aller Kinder im relevanten Einschulungsalter zur Schule; in Guatemala sind es 97 %.4

 

Die akzeptablen Einschulungsquoten sagen jedoch noch nichts über die Qualität in den Schulen aus. Leider gibt es in beiden Ländern noch immer viel zu wenig Schulen und Lehrer. Die Klassen sind überfüllt, Lehrbücher und -materialien fehlen, Lehrergehälter sind niedrig oder werden gar nicht ausgezahlt. Dies hat zur Folge, dass Lehrer sich mit Zweit- und Drittjobs über Wasser halten und den Unterricht ausfallen lassen. Statistisch gesehen, kommen in Guatemala auf einen Lehrer in der Grundschule 28 Schülerinnen und Schüler, in Uganda sind es sogar 49 Schülerinnen und Schüler. Da wundert es nicht, dass lediglich 32% der Grundschüler in Uganda die Grundschule erfolgreich beenden – Tendenz sinkend; in Guatemala sind es 65 % - Tendenz steigend. 5

 

Die Situation in den weiterführenden Schulen sieht entsprechend trostlos aus. In Guatemala begannen 42 % aller im relevanten Alter befindlichen jungen Menschen im Jahr 2010 die Secondary School und in Uganda lediglich 28 %.6 Jedoch steigt die Zahl in beiden Ländern kontinuierlich. Auch in diesen Schulen sind die Schulgebühren in beiden Ländern mittlerweile abgeschafft.

 

Beide Schulsysteme unterscheiden übrigens nicht zwischen verschiedenen Schulformen wie z.B. Gymnasium, Real- oder Hauptschule. Diejenigen, die eine weiterführende Schule besuchen, absolvieren sie gemeinsam. Es gibt eine Secondary School I (Mittelstufe) und II (Oberstufe), die mit einer Prüfung zur Hochschulreife abgeschlossen werden kann oder man geht ohne Prüfung in eine berufsqualifizierende Schule. In Uganda und Guatemala unterscheidet sich lediglich die Länge der jeweiligen Stufen.

 

Der Besuch von Universitäten und berufsqualifizierenden Schulen kostet weiterhin viel Geld. Dies spiegelt sich auch in den Besuchszahlen wider, die in Guatemala bei 18 % im Jahr 2007 lagen, in Uganda bei nur 4 % in 2009.7 Neuere Zahlen liegen für beide Länder noch nicht vor.

 

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Und nun Gold für Uganda: Olympia 2012

Copyright: Reuters
Copyright: Reuters

Am letzten Wettkampftag hat Stephen Kiprotich in London Gold für Uganda geholt! In 2:08:01 Stunden lief er beim Marathon als Erster durch die Ziellinie. Es ist die zweite Goldmedaille für Uganda, seitdem die "Perle Afrikas" an Olympischen Spielen teilnimmt. 1972 gewann John Aki-Bua Gold im 400 m Hürdenlauf in München.

 

Unsere herzlichsten Glückwünsche nach Uganda!

Olympia 2012: Silber Medaille für Guatemala!

Erick Barrondo bei den Pan American Games 2011 (copyright: guateagenda.com)
Erick Barrondo bei den Pan American Games 2011 (copyright: guateagenda.com)

Erick Barrondo aus Guatemala erkämpfte sich heute die Silber Medaille im Gehen über 20 km! Mit einer Zeit von 1:18:57 ist er souverän in London über die Ziellinie marschiert, oder besser "gegangen".

Schon im letzten Jahr gewann er die Gold Medaille bei den Pan American Games. Doch Olympisches Silber ist eine ganz besondere Leistung.

Einen herzlichen Glückwunsch aus Deutschland nach Guatemala!

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Wissen Sie, dass es ein neues Ministerium gegen Armut in Guatemala gibt?

Quelle: Apei
Quelle: Apei

Anfang diesen Jahres wurde in Guatemala ein neues Ministerium eingerichtet: Das Ministerio de Desarrollo Social (Ministerium für soziale Entwicklung) hat im April 2012 seine Arbeit aufgenommen. Geleitet wird es von Ministerin Luz Lainfiesta. Hauptaufgabe des Ministeriums ist es, die enorm hohe Armut zu reduzieren. In Guatemala lebt über die Hälfte der Einwohner in Armut, d.h. sie leben von umgerechnet 829 US$ pro Jahr bzw. 2,30 US$ pro Tag.


Das Ministerium begann seine Arbeit mit der Einführung eines Sozialprogramms „Mi bono seguro“ (Mein sicherer Gutschein). Über 750.000 Mütter erhalten für ihre Familien eine monatliche Zahlung in Höhe von 300 Quetzales (ca. 28 US$). Diese regelmäßige Sozialleistung soll sicherstellen, dass die Mütter ihre Kinder zur Schule und zu ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen schicken. Die monatliche Zahlung erfolgt auf ein Bankkonto.


Wenn man bedenkt, dass über 7 Mio Guatemalteken in Armut leben, so ist das Programm ein Tropfen auf dem heißen Stein. Strukturelle Änderungen werden hiermit nicht bewirkt. Da die Zahlungen an ein Bankkonto geknüpft sind, werden Familien in ländlichen Gebieten hauptsächlich ihre Finanztransaktionen mobil über ein Handy abwickeln müssen. Denn Bankfilialen fehlen.


Übrigens: Die monatliche Sozialleistung in Höhe von umgerechnet 28 US$ gilt pro Familie, unabhängig von der Anzahl der Familienmitglieder; das sind weniger als 1 US$ pro Tag.

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Wissen Sie, was ein "chicken bus" ist?

ninos de guatemala/nuestro futuro
ninos de guatemala/nuestro futuro

Der sogenannte “Hühnchenbus” ist wahrscheinlich die charakteristischste – und bei Touristen beliebteste – Eigenheit Guatemalas, dem „Land des Ewigen Frühlings“. Mit seinen leuchtenden Farben und seinen eindrucksvollen Auffälligkeiten bestimmt der „chicken bus“ das Bild der guatemaltekischen Straßen.


Hinter dieser handwerklichen Arbeit steckt der ausgediente Fuhrpark aus dem „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“: die recycelten Schulbusse der USA. Diese ausrangierten 

Fahrzeuge erleben innen wie außen eine Verwandlung, bevor sie ihr zweites, guatemaltekisches Leben beginnen. In Ciudad Vieja, in der sich auch unsere Partnerschule Nuestro Futuro befindet, werden sie in Scheunen von spezialisierten Handwerkern repariert und liebevoll restauriert.

 

"Chicken Busses" sind eine billige und schnelle Möglichkeit, durch das Land zu reisen; aber aufgrund der bemerkenswerten Fahrstile der meisten Busfahrer auch nicht ganz ungefährlich.


Der „Hühnchenbus“ hat übrigens seinen Namen erhalten, weil Landbewohner ihre lebenden Tiere, vor allem Hühner, in diesen Bussen zum nächstgelegenen Markt transportieren.