Sklaven, Voodoo und mehr

 

Heimatgeschichte anschaulich erleben, das konnten vor kurzem mal wieder die Schülerinnen und Schüler unserer Partnerschule Pergame Plus in Bénin (Westafrika).

Dieses Jahr ging es nach Ouidah.

 

Ouidah war vor langer Zeit Handelsstadt und Zentrum des Sklavenhandels in Westafrika.

Die Stadt liegt 3,5 km vom Meer entfernt, so dass die Sklaven den Weg vom Sklavenmarkt im

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Uganda Reisebericht: Teil 5 - unterwegs in Kampala

Verkehr in Kampala, Uganda (© Brühl Stiftung)
Verkehr in Kampala, Uganda (© Brühl Stiftung)
(© Somero + Brühl Stiftung)
(© Somero + Brühl Stiftung)

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(von Ricardo Tell)

 

Am Mittag des ersten Tages in Kampala geht es für uns zu einer touristischen Besichtigung der Königsgräber. Allerdings ist nur ein Teil per Führung zugänglich; die Gräber selbst werden aufgrund eines Brandes zurzeit neu aufgebaut. Bei mir bleibt der Fakt hängen, dass der König zu Lebzeiten 84 Frauen hatte, die in den Häusern um den Palast lebten. Einige der Nachfahren der Frauen leben bis heute dort, um zu symbolisieren, dass der König zwar tot, aber nicht weg ist.

 

Den letzten Tag verbringen wir mit Claire, einer ehemaligen Somero Stipendiatin, die ein Studium für Interior- und Fashion-Design an der Makerere Universität absolviert hat und derzeit als Trainerin den Schneiderkurs am Somero Center leitet. Das Stipendium wurde teilfinanziert von der Stiftung meiner Mutter. Claire begleitet uns in die Stadt, um Stoffe zu kaufen. Als wir im Stadtzentrum ankommen und das Parkhaus erreichen, wird unser Auto nach Bomben abgesucht, was bei mir kein Gefühl von Sicherheit hinterlässt. Nach dem Parken des Autos sind wir auf der Treppe auf dem Weg zum Erdgeschoss, während zwei kleine Jungs an uns vorbeirennen, gefolgt von einem Wachmann, der ein Gewehr um seine Schulter hängen hat. Er schreit hinter den Jungen her und ein Stockwerk tiefer hält ein weiterer Mann einen der Jungen am Arm fest. Nach einem Augenblick haut der Mann die Beine des Kleinen weg und schleudert ihn auf den Steinboden, auf dem der Junge mit seinem Hinterkopf krachend aufkommt. Wir bleiben wie versteinert stehen und der Junge fängt an zu weinen, während der andere nicht mehr zu sehen ist. Als wir uns fragen, was passiert sei, erklärt uns ein Mann, dass die ca. 8 Jahre alten Jungs sich den Spaß erlaubt haben, mit dem Fahrstuhl rauf und runter zu fahren. Schockiert von der Kleinigkeit angesichts der gewalttätigen Strafe, überlege ich, ob ich in Uganda mein derzeitiges Alter erreicht hätte bei all den Dingen, die ich in meiner Kindheit angestellt habe. 

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Uganda Reisebericht: Teil 4 - im Somero Center

Somero Gradnation-Feier, Dezember 2017, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)
Somero Gradnation-Feier, Dezember 2017, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)

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(von Ricardo Tell)

 

Der nächste Tag steht unter dem Zeichen der Somero-Zeugnisverleihung (Graduation). Wir treffen um 9 Uhr im Somero Center ein und staunen über den geschmückten Hof, Stühle sind aufgestellt, Frauen laufen in Kleidern und Roben herum - ganz im Stile von Absolventen in den USA. Der Tag beginnt jedoch abermals mit einem Meeting, wobei wir die Ehre haben, mit dem Commissioner für Gender-Gleichheit und Recht aus dem Ministerium für Gender, Arbeit und soziale Entwicklung über die grundsätzliche Lage Ugandas zu reden.

 

Die Graduierungsfeier ist sehr aufwändig. Es läuft laute Musik, es wird getanzt, die AbsolventInnen des Schneiderkurses präsentieren eine Fashionshow, die Friseurinnen zeigen ihre beste Haarkunst und es wird gesungen. Auch die Ankündigung des Teams von Somero-Deutschland, also uns, darf nicht fehlen; wobei wir uns, wie übrigens auch der Commissioner, mit einer nicht vermeidbaren Tanzeinlage vorstellen müssen. Anschließend werden die Zeugnisse einzeln überreicht und Fotos geschossen. Es wird eine Torte angeschnitten und zu Mittag gegessen. Wir alle freuen uns darüber, dass das gesamte Areal des Somero Centers voller Menschen ist. Man spürt, wie das Center von der Community in dem Viertel angenommen wird und welche Bedeutung es für sie hat. Wir erfahren, dass Eltern gerne ihre Kinder in das Somero Cemter schicken, da sie wissen, dass sie dort in einem guten, sicheren Umfeld sind und nicht mit Drogen und Gewalt in Berührung kommen. 

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Uganda Reisebericht: Teil 3 - Arbeiten im Slum

Somero Center, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)
Somero Center, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)

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(von Ricardo Tell)

 

In Kampala angekommen, überrascht uns der Leiter von Somero Uganda, Geofrey, mit seinem Besuch zum Abendessen und heißt uns in Uganda willkommen. Er stellt uns den Plan vor, den er sich für uns für die kommenden Tage überlegt hat, und wir stellen fest, dass auch die restlichen Tage kein Entspannungsurlaub werden.

 

Am nächsten Morgen holt uns Geofrey mit dem Auto ab. Wir fahren zum alten Somero Center in Kawempe, dem größten Slum Kampalas, und nehmen uns kurz die Zeit, es zu besichtigen. Ich sehe einen kleinen Hof, nackte Steinwände und kleine verschlossene Räumlichkeiten. In Deutschland würde man davon ausgehen, dass das Gelände unbenutzt und leerstehend ist, hier bin ich mir da nicht sicher. Es geht weiter hinein nach Kawempe zum neuen Somero Center. Ein Tor öffnet sich und wir gelangen in ein von Mauern umgebenes relativ großes Areal. Ich sehe mehrere Gebäude, einen großen Hof und alles ist recht freundlich gestaltet.

 

Der Kontrast zwischen altem und neuem Center, den Geofrey uns offenbaren wollte, ist deutlich. Während eines Rundgangs stellt uns Geofrey alle aktuellen Projekte von Somero vor. Der Hof bietet mit einer überdachten Fläche und mit Musikboxen Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit zusammen zu kommen, zu entspannen und zu tanzen. Im hinteren Bereich ist eine Spielfläche für kleinere Kinder zu finden, an die sich Räumlichkeiten anschließen, die zu einer professionellen Kinderbetreuung umgestaltet werden könnten. Die Überdachung der Freifläche ist noch rudimentär und bei Regen läuft das Wasser auf die Spielfläche. 

Für die Ausbildungskurse stehen PC-Räume, ein Nähraum, ein Raum für die Friseurausbildung und diverse Arbeitsräume zur Verfügung.

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Uganda Reisebericht: Teil 2 - im Nationalpark

Überfahrt über den Nil (© Brühl Stiftung)
Überfahrt über den Nil (© Brühl Stiftung)

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(von Ricardo Tell)

 

Im Murchison Falls Nationalpark angekommen, braucht es keine 5 Minuten, bis wir das erste Mal den Fahrer zum Anhalten bewegen. Eine Gruppe von Affen sitzt am Straßenrand, erblickt uns und verschwindet im Dickicht des Waldes. Während wir verkrampft versuchen, dieses einzigartige Ereignis in einem halbwegs anschaulichen Foto festzuhalten, wissen wir nach weiteren 10 Minuten gar nicht mehr, wie viele Gruppen von Affen wir denn jetzt gesehen haben.

 

Als wir unsere Unterkunft, die Murchison Falls River Lodge, erreichen, begrüßen uns die Mitarbeiter mit einem Glas Saft aus der Passionsfrucht und führen uns zu unserer Lodge, während wir gespannt der Erläuterung lauschen, nachts nie allein und ohne Lodge-Mitarbeiter auf dem Gelände herumzulaufen, da Nilpferde zum Weiden das Gelände passieren könnten. Etwas vorsichtig, da natürlich ohne Führer, wagen wir uns anschließend auf den Weg zum Restaurant, um unser Abendessen einzunehmen. Übrigens: Das Essen dort ist vorzüglich.

 

Wieder höre ich das Klingeln des Weckers und schon wieder ist es noch dunkel draußen. Um 5:45 Uhr wollen wir 

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Uganda Reisebericht: Teil 1 - Anreise

Es ist viertel vor 5, ich hatte 2 Stunden Schlaf, der Radiowecker krächzt mit voller Lautstärke und trotzdem bin ich hellwach und gut gelaunt - eigentlich unmöglich; jedoch an einem Morgen, an dem eine Reise ansteht, für mich selbstverständlich. Und heute ist so ein Morgen. Der Rucksack ist gepackt, die Wohnung ausnahmsweise aufgeräumt und geputzt und die Vorfreude auf Uganda nimmt mit jeder Minute zu.

 

Am Flughafen angekommen, treffe ich mich mit meiner Mutter. Auch sie ist so wach, wie ich sie in den letzten 3 Jahren noch nie um kurz vor 6 gesehen habe; auch wenn ich ihr ansehe, dass sie sich schönere Dinge als die bevorstehenden ca. 9 Stunden Flugzeit vorstellen könnte. Aber zunächst beschränkt sich die Zeit im Flieger auf eine Stunde bis nach Brüssel. In Brüssel angekommen, treffen wir mit dem Rest unserer Reisegruppe zusammen: Janna und Lina, Vorstandsmitglieder von Somero e.V.. Die Reise ist eine Projektreise des Vereins, um ein von der Bingo-Stiftung finanziertes Projekt bei der Partnerorganisation Somero Uganda zu begutachten, die Finanzen zu besprechen und einen Blick auf künftige Projekte zu werfen. Meine Mutter ist ebenfalls im Vorstand von Somero e.V.. Ich fliege aus Interesse mit.

 

10 Tage Afrika. Absurd. Aus ökologischer Perspektive darf man den Trip bestimmt nicht betrachten. Aber so ist das, wenn meine 3 Begleiterinnen im Alltag einem festen Job nachgehen, um sich und, im Falle meiner Mutter, auch noch einem geldlosen Studenten wie mir, so eine Reise zu finanzieren. Länger funktioniert das nicht.

Nach einem ruhigen Flug in Entebbe angekommen, geht es überraschend zügig durch die gut organisierte Einreisekontrolle; das Gepäck läuft schon abholbereit auf dem Gepäckband und im Handumdrehen können wir den Flughafen verlassen. Das kenne ich aus Bénin, Westafrika, aber anders.

 

Vor dem Ausgang des Flughafens nimmt uns ein Fahrer in Empfang, der uns zu unserer Unterkunft, dem Via Via 

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Mein schönstes Weihnachtsgeschenk

Wir kommen gerade aus Uganda zurück. Wir, das sind die Vorstandsmitglieder von Somero Deutschland: Janna, Lina und ich, begleitet von meinem Sohn. Wir besuchten letzte Woche unsere Partnerorganisation Somero Uganda in Kampala.

 

Uganda ist eins der ärmsten Länder der Welt. Dies ist insbesondere in Kawempe, dem größten Slum in der Hauptstadt Kampala, deutlich sichtbar. Dort befindet sich das Somero Center. Hautnah zu erleben, unter welchen Bedingungen die Arbeit der Trainer und Sozialarbeiter in der Community stattfindet und was Armut wirklich bedeutet, in der die Stipendiatinnen und Stipendiaten von Somero leben, ist eine Erfahrung, die man nicht vermitteln kann, wenn man es nicht selbst erlebt und mit angesehen hat.

 

Das beeindruckendste aber war für mich, dass die jungen Menschen, die unter diesen ärmsten Gegebenheiten leben, nach jeder nur erdenklichen Möglichkeit greifen, um sich zu freuen und zu lachen. Sie suchen geradezu nach positiven, fröhlichen Situationen und Gelegenheiten. Wann immer es passt, singen und tanzen sie. Was für ein Kontrast zu unserem Leben.

Diese Fröhlichkeit und Gelassenheit, Dinge auf sich zukommen zu lassen, sowie ihre stille Dankbarkeit für die Chance, die sich ihnen durch das Somero Center bietet, in eine bessere Zukunft zu schauen, haben mich tief bewegt.

 

Das zu erleben und ein kleiner Teil der zukunftstiftenden Arbeit zu sein, ist mein Weihnachtsgeschenk. Ein besseres kann es nicht geben.