Spenden: Nützt das überhaupt?

© Brühl Stiftung + Ninos de Guatemala
© Brühl Stiftung + Ninos de Guatemala

Mir wird regelmäßig die Frage gestellt: Warum engagiert Ihr Euch in Afrika bzw. überhaupt in Entwicklungs-ländern? Das nützt doch sowieso nichts! 

 

Nun, wenn man einen oberflächlichen Blick auf die Situation in den Ländern wirft, könnte man in der Tat zu dieser Einstellung kommen. Wenn man aber einen Moment inne hält, etwas überlegt und einen zweiten Blick auf die „Länder des globalen Südens“ und vor allem auf ihre Menschen wirft, dann kommen mir andere Fragen in den Sinn. Fragen wie z.B. diese: „Wohin sollen sich Bénin oder Uganda entwickeln?“ oder „Was heißt Entwicklung in einem bestimmten Land?“

 

Welches ist das Maß, das wir setzen? Ich unterstelle, dass sich meist auf die ökonomische Lage bezogen wird. Und da sieht es in der Tat in unseren Partnerländern nicht besonders rosig aus. Allerdings kann man ganz und gar nicht behaupten, dass es keine ökonomische Entwicklung gegeben hätte. Den meisten Menschen geht es immer besser. Überall ist die Armut gesunken.

 

Unberührt davon bleibt, dass es noch viel zu tun gibt. Und als gut kann die Lage für die Mehrheit der jeweiligen Bevölkerung nicht bezeichnet werden. Und es stimmt, dass die Verbesserungen viel 

© Brühl Stiftung + Pergame Plus (Bénin)
© Brühl Stiftung + Pergame Plus (Bénin)

schneller in Gang kämen, wenn Korruption, Vettern- und Misswirtschaft deutlich reduziert werden würden. Doch die Pauschalisierung, dass Unterstützung – von außen – nichts nützen würde, stimmt so nicht. In unseren heimatlichen Gefilden ist es normal, dass wir unseren Kinder unter die Arme greifen, bis sie auf eigenen Beinen stehen – keiner würde dies bezweifeln. Im Gegenteil würde es sogar eher äußerst merkwürdig anmuten, würden wir ihnen bereits in Jugendjahren unsere Unterstützung versagen. Ferner gibt es zahlreiche private und institutionalisierte Stipendien- und Unterstützungsmöglichkeiten für Schüler und Studenten, die dies brauchen. Nachhilfeunterricht gehört nicht selten zum normalen Schulalltag hinzu. Sagen wir da auch: „Das nützt doch nichts“?. 

 

Unsere Kinder haben das Glück, nach ihrer Ausbildungszeit auf einen relativ gut funktionierenden Arbeitsmarkt zu stoßen, in dem sie sich zurechtfinden müssen und können. Wenn sie den Weg in die Selbständigkeit wählen, erhalten sie nicht selten beträchtliche finanzielle Unterstützung aus ihren Familien; aber auch wenn nicht, dann können sie auf ein funktionierendes Kreditsystem zurückgreifen.

 

Das alles unterscheidet sie von jungen Menschen in Ländern, in denen der Arbeitsmarkt und das Finanzsystem unterentwickelt sind und deren Eltern arm sind oder zumindest nicht weit entfernt von der Armutsgrenze leben. 

 

Wir substituieren die Aufgaben der Regierungen nicht. Wir versuchen, ein paar wenigen, hoch motivierten Menschen einen Start in ein unabhängiges Leben zu eröffnen, so wie dies die meisten jungen Leute im „globalen Norden“ ganz selbstverständlich vorfinden. Ihre Chancen müssen sie dann selbst nutzen und umsetzen.

 

Diesen Text habe ich für unseren Jahresbericht 2017 verfasst. Doch es lohnt sich, ihn immer wieder vor Augen zu führen, da die Eingangsfrage nicht nur uns gestellt wird. Viele potentielle Spenderinnen und Spender fragen sich, ob ihre Spende für Menschen in anderen Ländern denn auch wirklich nützt. Wir finden auch heute nach wie vor: Ja, das tut sie!