Sklaven, Voodoo und mehr

 

Heimatgeschichte anschaulich erleben, das konnten vor kurzem mal wieder die Schülerinnen und Schüler unserer Partnerschule Pergame Plus in Bénin (Westafrika).

Dieses Jahr ging es nach Ouidah.

 

Ouidah war vor langer Zeit Handelsstadt und Zentrum des Sklavenhandels in Westafrika.

Die Stadt liegt 3,5 km vom Meer entfernt, so dass die Sklaven den Weg vom Sklavenmarkt im

Ortszentrum bis zu ihrer Einschiffung zu Fuß zurücklegen mussten: die Sklavenroute.

Die Sklavenroute ist heute gesäumt von zahlreichen Statuen und Denkmälern, die an den heißen, staubigen Leidensweg der in Ketten gelegten Sklaven erinnern.

 

Am Ort der ehemaligen Einschiffung steht das eindrucksvolle Denkmal „Pforte ohne Wiederkehr“.

Sklavenhandel gab es schon vor Ankunft der Europäer; sie konnten auf eine „gut“ ausgebaute Infrastruktur zurück greifen. Das macht die Sache aber nicht gerade besser. Ca. 1 Mio Menschen wurden von Ouidah verschifft, hauptsächlich nach Amerika.

Wer einen Zugang über die Literatur zur damaligen Zeit sucht, dem empfehle ich das Buch von Bruce Chatwin „Der Vizekönig von Ouidah“.

 

Unsere Partnerschüler besuchten die von den Portugiesen erbaute und gut restaurierte Festung, in der sich heute ein Museum befindet und neben Stadtgeschichte den Sklavenhandel beschreibt.

 

Ouidah hat noch eine andere Seite: Es ist ein beliebter Wallfahrtsort für Voodoo-Anhänger. Nach wie vor findet einmal jährlich ein Voodoo-Fest am Strand statt und heilige Voodoostätten sind in der kleinen Stadt überall zu finden. Einige können auch von Touristen besichtigt werden. Wer eine Schlangenphobie hat, so wie ich, der sollte die Stätten vorsichtig betreten.

 

Ach ja, man glaubt es kaum: Aber es gibt jedes Jahr ein vielbeachtetes Filmfestival in Ouidah mit dem klangvollen Namen Quintessence. Es ist in Westafrika das wichtigste Ereignis des Films neben dem Festival von Ouagadougou (das bekanntlich weiter nördlich in Burkina Faso liegt).

 

Die Schülerinnen und Schüler von Pergame Plus fuhren voll beladen mit Eindrücken und hundemüde zurück nach Abomey-Calavi. Ein Ausflug ist etwas ganz besonderes für diese jungen Menschen. Für viele von ihnen war es das erste Mal, dass sie die Stadt, in der sie leben, verlassen haben. Für die meisten sind die jährlichen Schul-Exkursionen die einzigen neuen Eindrücke, die sie erhalten.

Schulexkursion Ouidah (Westafrika), © Pergame Plus, Bénin, 2018
Schulexkursion Ouidah (Westafrika), © Pergame Plus, Bénin, 2018