Uganda Reisebericht: Teil 3 - Arbeiten im Slum

Somero Center, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)
Somero Center, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)

Fortsetzung...

(von Ricardo Tell)

 

In Kampala angekommen, überrascht uns der Leiter von Somero Uganda, Geofrey, mit seinem Besuch zum Abendessen und heißt uns in Uganda willkommen. Er stellt uns den Plan vor, den er sich für uns für die kommenden Tage überlegt hat, und wir stellen fest, dass auch die restlichen Tage kein Entspannungsurlaub werden.

 

Am nächsten Morgen holt uns Geofrey mit dem Auto ab. Wir fahren zum alten Somero Center in Kawempe, dem größten Slum Kampalas, und nehmen uns kurz die Zeit, es zu besichtigen. Ich sehe einen kleinen Hof, nackte Steinwände und kleine verschlossene Räumlichkeiten. In Deutschland würde man davon ausgehen, dass das Gelände unbenutzt und leerstehend ist, hier bin ich mir da nicht sicher. Es geht weiter hinein nach Kawempe zum neuen Somero Center. Ein Tor öffnet sich und wir gelangen in ein von Mauern umgebenes relativ großes Areal. Ich sehe mehrere Gebäude, einen großen Hof und alles ist recht freundlich gestaltet.

 

Der Kontrast zwischen altem und neuem Center, den Geofrey uns offenbaren wollte, ist deutlich. Während eines Rundgangs stellt uns Geofrey alle aktuellen Projekte von Somero vor. Der Hof bietet mit einer überdachten Fläche und mit Musikboxen Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit zusammen zu kommen, zu entspannen und zu tanzen. Im hinteren Bereich ist eine Spielfläche für kleinere Kinder zu finden, an die sich Räumlichkeiten anschließen, die zu einer professionellen Kinderbetreuung umgestaltet werden könnten. Die Überdachung der Freifläche ist noch rudimentär und bei Regen läuft das Wasser auf die Spielfläche. 

Für die Ausbildungskurse stehen PC-Räume, ein Nähraum, ein Raum für die Friseurausbildung und diverse Arbeitsräume zur Verfügung.

Nach einer Vorstellungsrunde mit allen Somero Mitarbeitern machen wir uns auf zu einem Spaziergang durch den Slum. Wir werden von einer Gruppe Frauen von Somero begleitet, die uns einiges über das Viertel erzählen und Fragen beantworten. Obwohl wir mitten in der Hauptstadt sind, ist in Kawempe kaum Infrastruktur vorhanden. Die Straßen sind unbefestigt, die Häuser eher selbst zusammengebastelt. Die Abwässer verlaufen in einem Graben inmitten der Straße und es sieht nicht so aus, als wäre eine Müllabfuhr oder ein anderes System zur Müllentsorgung intakt. Die Frauen erzählen uns, dass bei Regen das Viertel überschwemmt wird, die Abwässer und der Müll in die Häuser gelangen und dies zu Krankheiten führt. Des Weiteren sollen Drogen ein größeres Problem des Viertel sein, wobei vor allem Alkohol und Gras genannt werden. Wir sehen einen Mann aus einer Grube Wasser schöpfen, wobei uns erklärt wird, dass dies gesundheitlich sehr riskant ist. Zugang zu sauberem Trinkwasser erfordert meist längere Wege. 

Somero Center, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)
Somero Center, Uganda (© Somero + Brühl Stiftung)

Zurück im Somero Center geht es zu einem Meeting mit einigen Somero-MitarbeiterInnen und einem Lokalpolitiker. Es wird über den Ausbau bestehender Programme und über mögliche neue Projekte diskutiert. Während des Meetings entsteht die Idee, jungen Müttern aus schwierigen Verhältnissen Unterkunft und Sicherheit zu bieten, sie zu versorgen, Perspektiven aufzuzeigen, Lernkurse anzubieten und sie so vor dem Sexgeschäft zu bewahren, welches, wie Geofrey mir erläutert, die logische Konsequenz vieler junger Mütter ohne finanzielle Sicherheit wäre.

 

Des Weiteren werden Fragen zu Budget, Nachhaltigkeit, finanzielle Unabhängigkeit u.v.m. besprochen. Ich bin von der Gesprächskultur des Meetings tief beeindruckt. Jeder wird mit einbezogen, der Lokalpolitiker und die Somero MitarbeiterInnen unterstützen und ergänzen sich, jeder darf ausreden, seine Ideen einbringen, die anschließend ausführlich diskutiert werden und so für jeden nachvollziehbar entweder verworfen oder weiterverfolgt werden. Jeder wird ernst genommen und kein Argument einfach weggewischt.

 

Der darauffolgende Tag beginnt abermals mit einem Meeting. Wir sitzen mit Geofrey zusammen, um uns über das Budget des nächsten Jahres auszutauschen. Wir stellen fest, dass auf Grund des schwierigen Regierungswechsels in Deutschland nicht so bald mit einer Zusage der gestellten Projektantrags beim BMZ zu rechnen ist und dies zu Engpässen führen könnte. Dies ist sicherlich die größte Herausforderung, die es in nächster Zukunft zu bewältigen gilt. 

Wir setzen den Tag fort und fahren zu einem zweiten Somero Center im Stadtteil Nakawa – ebenfalls ein Slum-Gebiet. Wir sehen ein kleines Häuschen in Hügellage mit hervorragender Aussicht auf den Stadtteil. Wir werden freudig empfangen, stellen uns vor und lassen uns das Projekt zeigen. Hier werden bisher ausschließlich junge Frauen zu Friseurinnen ausgebildet, wobei derzeit noch jegliches Equipment fehlt. Weiterhin dient das Somero Nakawa Center als Basis für SozialarbeiterInnen, um mobile Gesundheitskliniken für die umliegenden Haushalte verfügbar zu machen. Das Nakawa Center entsteht auf Initiative der Nakawa-Gemeinde und wird auch von ihnen mitfinanziert.

 

Für uns wird getanzt; wir machen einige Spaßfotos zusammen, aber schon müssen wir weiter, obwohl ich gern länger geblieben wäre. Abends besuchen wir eine traditionelle Tanzshow, die jedoch leider auf Touristen ausgelegt ist. Dennoch ist es eine Erfahrung zu sehen, wie die lautesten Trommeln Afrikas auf dem Kopf getragen oder bis zu 7 Vasen auf dem Kopf balanciert werden, während dabei getanzt wird. 

 

Fortsetzungen : 

Teil 1 - Anreise

Teil 2 - im Murchison Falls Nationalpark

Teil 4 - im Somero Center

Teil 5 - unterwegs in Kampala