Bénin 2017 - Reisebericht - Teil 1

Eine Reise in ferner Länder ist immer spannend und aufregend. Eine Projektreise zu unseren Stipendiaten und Projektpartnern ist etwas ganz Besonderes. Wie läuft der Deutsch-Unterricht an unserer Partnerschule? Wie geht es unseren Praktikanten? Wie haben sich unsere jungen Stipendiaten entwickelt? Geht es ihnen gut?

Mit diesen Gedanken im Gepäck flog ich am 05.02.2017 los in Richtung Bénin (Westafrika).

Bei Ankunft wurde ich von meiner Freundin Astrid Toda und „unseren“ drei Jungs abgeholt. Astrid lebt nun schon seit über 20 Jahren in Bénin und leitet dort die Organisation école de solidarité. Es gab ein riesiges und fröhliches Hallo. Sosthéne, Gérard, Justin und seine Zwillingsschwester Justine kenne ich seit 5 Jahren. Vor gut 3 Jahren haben wir sie aus dem Waisenhaus in Lobogo geholt, einer Gegend mit hoher Armut und Analphabetenrate.

Alle vier jungen Leute besuchen seitdem eine der besten Schulen des Landes. Zuerst waren sie dort auch im angeschlossenen Internat untergebracht. Die Ferien verbrachten sie bei Astrid zu Hause. Dort gefiel es ihnen so gut, dass sie bei ihr einziehen wollten. Astrid freute sich, engagierte einen Fahrer für den Schulweg und seit gut einem Jahr haben sie alle bei ihr ein herzlich-warmes Zuhause gefunden.

Als ich die „Viererbande“ vor zwei Jahren im Internat besuchte, waren sie noch recht schüchtern. Das hohe Niveau des Unterrichts setzte ihnen zu; Justine hatte zudem Schwierigkeiten mit der französischen Sprache; der Treffpunkt auf dem Schulhof tat sein übriges.

Dieses Mal war es ganz anders. Alle sind aufgeblüht, reden und lachen viel, machen spontan Musik und tanzen dazu. Und gewachsen sind sie. Was eine gute Ernährung doch ausmacht. Von Unterernährung keine Spur mehr. Und vor allem: Sie alle blicken zuversichtlich in ihre Zukunft.

Wenn alles gut geht, dann macht Sosthène dieses Jahr Abitur, gefolgt von Justin im nächsten und Gérard im übernächsten Jahr.

Justine tut sich mit der Schule immer noch etwas schwer. Doch sie lernt fleißig mit einem Nachhilfelehrer. Eine beachtliche Leistung, denn immerhin geht die Schule von 7 – 19 Uhr. Zu Hause dann noch Hausaufgaben und im Haushalt müssen ebenfalls alle kräftig mit anpacken.

Mich erwarteten wunderbare Momente:

  • Das mitgebrachte Baskettball-Equipment stieß auf hohes Interesse. Umgehend kletterte Gérard auf einen Baum, um den mobilen Korb anzubringen. Sosthène pumpte den Ball auf - schon ging's los. Und siehe da: Justine heizte den Jungs kräftig ein. Von da an hörten wir täglich nach der Schule immer irgendjemanden, der den Ball in den auch in der Dunkelheit leuchtenden Korb bugsierte.

  • Eine weitere Stipendiatin in Astrids Haushalt absolviert gerade eine Schneiderlehre. Da ich von Justin einen wunderschönen Stoff geschenkt bekommen habe, stattet sie mich mit einem tollen Kleid, einem Rock und einem luftigen Oberteil aus. Der Sommer kann nun auch in Berlin kommen!

  • Justin und Gérard überraschten mich mit schon recht passablen Deutschkenntnissen. Sie geben deutsche Volkslieder zum Besten, die sie in der Schule gelernt haben, und einen Haufen Sprichwörter. Wir haben viel und herzlich gelacht!

  • Gérard trommelte wunderbare afrikanische Rhythmen, zu denen Justin einen Schuhplattler-Tanz béninischer Art aufführte. Was für ein Spaß!

Am letzten Tag machten wir alle einen Ausflug an den Strand. Acht junge Menschen, der Fahrer Constant und ich machten uns mit Astrids Bus auf den Weg. Unterwegs kauften wir Leckereien in der Bäckerei. Die Verkäuferin freute sich über so viel Umsatz. Am Strand warfen wir unsere Sachen in die gemietete Paillotte und ab ging's ins warme Wasser. Mit Spiel und ganz viel Spaß vergingen die Stunden wie im Flug. Wieder zurück kochte Astrid mir noch eine letzte warme Mahlzeit, dann war es Zeit für den Abschied. Wie schade. Doch ich nehme die Freude, das Lachen und die béninische Gelassenheit meiner jungen Freunde mit nach Hause.