Bénin hat gewählt

Bénin 2015: Fahrt von Cotonou nach Abomey (© Brühl Stiftung)
Bénin 2015: Fahrt von Cotonou nach Abomey (© Brühl Stiftung)

Bénin hat einen neuen Präsidenten: Patrice Talon hat sich am vergangenen Sonntag gegen den amtierenden Premierminister Zinsou durchgesetzt.

 

Talon ist als Unternehmer in der Baumwollindustrie und als Betreiber des Hafens von Cotonou reich geworden. Die Béniner erhoffen sich von ihm einen ähnlichen Erfolg bei der Entwicklung ihres Landes.

Doch die Béniner sind bescheiden geworden. Der noch amtierende Präsident Thomas Boni Yayi ist Wirtschaftswissenschaftler und war in der Vergangenheit u.a. Präsident der westafrikanischen Entwicklungsbank. Er kennt sich also aus in den Parametern, die zur Entwicklung eines Landes nötig sind. Ferner versprach er, die Korruption zu bekämpfen.

 

Bei seinem Amtsantritt in 2006 lag der Korruptionsindex Bénins bei 2,5 (Transparency International, 0 „extrem hohe Korruption“; 10 „keine Korruption).

In 2015 hatte Bénin einen Korruptionsindex von 3,7.* Zugegeben: Es ist eine Verbesserung, aber nur eine ziemlich geringe.

 

Das Wirtschaftswachstum ging in der Amtszeit von Boni Yayi hoch und runter, was nicht nur hausgemacht ist, sondern natürlich auch auf internationale Tendenzen zurückzuführen ist. Lag das jährliche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2006 noch bei 3,9 %, so stieg es in 2014 auf 6,5 % an (Worldbank). Doch davon kommen nur 3,8 % im Durchschnitt pro Kopf an. An der Inflation liegt es nicht, denn die betrug 2014 nur -1,1 %. Zum großen Teil liegt es an der nach wie vor recht hohen Geburtenrate von 2,6 % pro Jahr (Stand: 2014); Tendenz allerdings sinkend.

 

Die Einkommensverteilung ist in der Amtszeit von Boni Yayi nicht gerechter geworden. Im Jahr 2003 haben 10% aller Arbeitnehmer, die sich im oberen Gehaltssegment befinden, 31,1 % des verfügbaren Gesamteinkommens verdient und im unteren Gehaltsniveau sind auf 10% aller Arbeitnehmer nur 2,9 % des verfügbaren Gesamteinkommens verteilt worden.

Im Jahr 2011 ist die Schere noch weiter auseinander gegangen, denn da wurden 34,5 % des verfügbaren Gesamteinkommens an die 10% Arbeitnehmer mit den höchsten Gehältern verteilt, und nur 2,5% des Gesamteinkommens an die 10% aller Arbeitnehmer, die am wenigsten verdienten (Worldbank, neue Daten leider nicht verfügbar.)

 

Die landesweite Armut ist nach wie vor nicht signifikant gesunken. 36,2 % aller Béniner lebten 2011 unter der nationalen Armutsgrenze gegenüber 37,2 % in 2006. Die nationale Armutsgrenze ist nicht offiziell definiert, liegt aber nach Schätzungen bei ungefähr 1,25 US$, die eine Person pro Tag zum Leben zur Verfügung hat, gerechnet in Kaufkraftparität (2005). Legt man die internationale Definition von Armutsgrenze zugrunde, die bei einem Ausgabenniveau von 3,10 US$ pro Tag und Person liegt (Kraufkraftparität, 2011), so ist die Zahl derer, die in Armut leben mit 75,6% enorm hoch.

 

Nun liegen die Hoffnungen auf Patrice Talon, der am 6. April 2016 sein Präsidentschaftsamt antritt. Wir wünschen allen Béninern einen guten Präsidenten mit kompetenten Regierungsmitgliedern, die für eine vielversprechende Zukunft sorgen.

 

 

*Mittlerweile wird der Korruptionsindex von Transparency International auf einer Skala von 0 – 100 bewertet. Der Korruptionsindex für Bénin liegt demnach in 2015 bei 37.