Armut reduzieren? Wie?

Seit Juli 2012 arbeitet ein hochrangiges Gremium der Vereinten Nationen an Zielen über die Millenniumsentwicklungsziele (MDG) 2015 hinaus. Nun liegt der Bericht mit Vorschlägen zur Armutsredzierung bis 2030 vor. (weiter unten: Bericht als zum Download.)

 

Zwischen 1990 und 2010 fiel die Zahl derer, die in Entwicklungsländern in extremer Armut leben von 43% auf 21%. Anders ausgedrückt: ca. 1 Mrd. Menschen sind in den genannten 20 Jahren der Armut entkommen. Das Ursprungsziel, die Armut bis 2015 zu halbieren, wurde bereits 5 Jahre früher erreicht.

 

Noch immer leben ca. 1,1 Mrd. Menschen von 1,25 $ pro Tag, der international gesetzten Armutsgrenze (gemessen in Bezug auf Dollarpreise im Basisjahr 2005 und angepasst an die Kaufkraftdifferenzen eines jeweiligen Landes). Die Fortschritte, die seit 1990 erzielt wurden, sind erfreulich, doch darf nicht vergessen werden, dass 1,25 $ pro Tag noch immer wenig sind. Menschen über diese Grenze zu hieven, ist ein notwendiger, aber kein hinreichender Schritt.

 

Der Großteil der Armutsreduzierung geht auf das Konto der hohen und stabilen Wirtschaftswachstumsraten in den Entwicklungs- und Schwellenländern von durchschnittlich 6%, vor allem in China und in den sogenannten "Kleinen Tigerstaaten" Südostasiens. Über den Daumen gepeilt, kann man sagen, dass ein 1%iger Anstieg am Bruttoinlandsprodukt (BIP) eine 1,7%ige Armutsreduzierung bewirkt.

 

Doch das BIP ist nicht unbedingt die beste Messmethode für Lebensstandard und Armutsreduzierung. Das Wirtschaftswachstum muss auch zu den Ärmsten gelangen, d.h., die Einkommensverteilung spielt eine große

Rolle: In den Ländern mit der größten Ungleichverteilung bewirkt ein Einkommenszuwachs von 1% eine ca. 0,6%ige Armutsreduzierung; in den Ländern mit der größten gleichmäßigen Einkommensverteilung wirkt ein 1%iger Zuwachs dagegen zu 4,3% armutsreduzierend.

China ist eine Ausnahme. Sein enormes Wirtschaftswachstum hat trotz einer hohen Einkommensungleichheit Dreiviertel der weltweiten Armutsreduzierung zu verantworten. Zwischen 1981 - 2010 konnte China seine Armutsrate von 84% auf 10% verringern.

 

Nun stellt sich die Frage, ob der positive Trend in den nächsten 15 Jahren so weiter gehen kann?

 

In dem gleichen Tempo vermutlich nicht. Zum einen, weil die hohen Zahlen Chinas nicht wiederholt werden können, schlichtweg aufgrund der niedrigeren Armutszahlen. Die schlechteren Regierungsindikatoren in Indien und den meisten afrikanischen Staaten sind ein großer Hinderungsgrund für Armutsreduzierung. Zum anderen, da es relativ leicht war, die Menschen, die nah an der offiziellen Armutsgrenze leben, über diese hinaus zu schieben. Die Menschen, die weit unterhalb dieser Grenze leben (in den sechs ärmsten Ländern Sub-Sahara-Afrikas leben Menschen von nur 0,50 $ pro Tag), können nicht so leicht und nachhaltig aus der Armutsfalle befreit werden.

 

Vorsicht in den Prognosen ist angebracht, doch das Ziel, Armut weiterhin zu reduzieren und sogar zu eliminieren, ist machbar. Wichtige Voraussetzungen hierzu sind:

  1. die hohen Wirtschaftswachstumsraten in den Entwicklungsländern halten an,
  2. die ärmsten Länder bleiben nicht hinter den Wachstumsraten der Schwellenländer zurück und
  3. die Ungleichverteilung im Einkommen wird nicht größer, denn dann profitieren die Ärmsten von diesen Entwicklungen weniger als höhere Einkommensschichten.

 

Die extreme Armut in Entwicklungsländern könnte von derzeit 16%, gemessen an ihrer Bevölkerung, auf 3% in 2030 sinken.

 

(siehe: