Wissen Sie, dass Hunger nicht Folge von Überbevölkerung ist? (Zum heutigen Weltbevölkerungstag)

Bei uns in Europa stagniert das Bevölkerungswachstum oder ist sogar in einigen Ländern rückläufig. In Entwicklungsländern hingegen steigt die Population: In Uganda z.B. lag die Wachstumsrate bei 3,2 %, in Guatemala bei 2,5 % im Jahr 2011. Die Frage, ob der Bevölkerungsanstieg die Ursache für Armut oder die Armut  die Ursache für hohe Geburtenraten sind, steht immer wieder im Raum. Kürzlich sorgte die Meldung der Weltbank für Hoffnung, dass weltweit die Anzahl der Menschen, die in Armut leben, zurückgegangen ist, trotz des rasanten Bevölkerungswachstums.

 

Es wird seit dem von Thomas Robert Malthus (1766 - 1834; britischer Ökonom) aufgestellten "Bevölkerungsgesetz", also "dass die unkontrollierte Vermehrungskraft der Bevölkerung über das Wachstumspotential der Nahrungsmittelproduktion hinausgeht"¹, immer wieder behauptet, dass die hohen Geburtenraten die Ursache von Hungersnöten sind. Dies ist jedoch nicht der Fall. Amartya Sen (geb. 1933; indischer Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph) hat festgestellt, dass es in Ländern mit funktionierenden demokratischen Strukturen keine Hungersnöte gibt, selbst als Folge von Naturkatastrophen nicht². Nahrungsmangel gibt es in Kriegsregionen und in Staaten mit diktatorischen Regimen, in denen weit verbreitete Korruption herrscht. Die politische und militärische Elite dort hungert natürlich nicht.

Nein, bei Hungerkatastrophen ist die Verteilung das Problem und nicht fehlende Nahrung aufgrund von Überbevölkerung.

 

Hohes Bevölkerungswachstum ist eine Herausforderung für Entwicklungsländer - ganz ohne Zweifel. Doch unzureichende Infrastruktur, geringes Wirtschaftswachstum, schwaches Bildungs- und Gesundheitssystem etc. sind ein Konzert aus vielen verschiedenen Ursachen. Eine gesunde Wirtschaft in einer Gemeinschaft, die ein gutes Bildungssystem hat und eine einigermaßen gerechte Ressourcenverteilung vornimmt, kann viele Menschen ernähren. 

 

¹Gunter Steinmann: "Thomas Robert Malthus" in: Klassiker des ökonomischen Denkens, Joachim Starbatty (Hrsg.), C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München 1989

²Amartya Sen: "Democracy as Freedom", Anchor 1999

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0