Wissen Sie, wie sich der Preis Ihres Kaffees zusammensetzt?

Von dem Preis, den Sie für Ihren Kaffee im Laden bezahlen, verbleiben ca. 70 % in unserem Land. Und nur ca. 30 % fließt in die Erzeugerländer1. Und das auch nur bei Fair Trade Kaffee. Bei herkömmlichem Kaffee beträgt der Anteil, der in Deutschland bleibt mehr als 86 % und nur ca. 14 % werden in den Anbauländern verdient2. Die Kaffeebauern sind unmittelbar von den Preisentwicklungen am Weltmarkt abhängig, so dass ihre Einkommen bei einem Preisverfall sofort sinken. An uns Verbraucher hingegen wird ein Preisverfall nicht sofort weitergegeben, sondern die verarbeitende Kaffeeindustrie und die Einzelhändler in den Importländern streichen die zusätzlichen Gewinne ein. In einer Untersuchung der Weltbank stellte J. Morisset fest, dass zwischen 1975 und 1993 der Weltmarktpreis von Kaffee um 18% gesunken ist; aber der Verbraucherpreis in den USA um 240% anstieg.3 Ein Preisanstieg erreicht uns Verbraucher ziemlich umgehend; die Kaffeebauern aber zum Glück auch.

 

Von einem Einzelhandelsverkaufspreis hierzulande von z.B. 5,49 € pro 500 Gramm gerösteten Kaffee verdienen die Pflücker ca. 0,28 € und ca. 0,46 € erhalten die Plantagenbesitzer. Rd. 4,70 € werden jedoch ab Landesgrenze verdient. Wie kommt das?

In den Erzeugerländern wird hauptsächlich geerntet, gewaschen, getrocknet, verpackt4. Etwas Geld bleibt auch noch bei lokalen Zwischenhändlern. Das große Geld jedoch wird bei Transport, Röstung, Marketing, Handel und Verkauf verdient. All dies erfolgt durch Unternehmen der Industrieländer.

 

Warum wird nicht in den Anbaugebieten selbst geröstet? Diese Frage ist zwar einfach, die Antwort jedoch komplex. Zum einen haben in Zeiten des Kolonialismus die Kolonialmächte hohe Zölle für die Einfuhr von Röstkaffee eingeführt. Dies machte es den lokalen Unternehmen in Afrika und Lateinamerika unmöglich, die Kosten für ihren gerösteten Kaffee zu decken, geschweige denn Gewinne einzufahren. Diese Industrie konnte sich dadurch gar nicht erst entwickeln. Zölle für Rohkaffee gab es jedoch nicht. Heutzutage sind Zölle auch für Röstkaffee weitestgehend abgeschafft oder sehr gering. Die kaffeeverarbeitende Industrie in den Industrieländern hat sich inzwischen technologisch hoch entwickelt. Patente für spezielle Röstverfahren sind eingetragen. Mit diesem Wettbewerbsvorteil kommen Entwicklungsländer nicht mit.

 

Ferner liegt die kaffeeverarbeitende Industrie weltweit in den Händen von nur wenigen multinationalen Unternehmen– dieses Oligopol verhindert sowohl in den Konsum- als auch in den Exportländern freien Wettbewerb. Natürlich sind nicht nur die Importländer allein Schuld an der ungleichen Verteilung in der Wertschöpfungskette. In den Erzeugerländern selbst muss viel getan werden, um z.B. das Überangebot von Rohkaffee zu verhindern, die Ausbildung für die Farmer zu verbessern, Zugang zu Krediten und verbesserter Technologie zu steigern und vieles mehr. Das entbindet die Importländer jedoch nicht, über einen faireren Wettbewerb nachzudenken.

Der Versuch des Fair Trade Systems, einen Teil des Gewinns zugunsten der Produzenten umzuverteilen ist lobens- und nachahmenswert. Aber es reicht nicht, denn der Anteil des Fair Trade am gesamten Kaffeehandel liegt bei ca. 1 %. Unternehmen wie Taylors of Harrogate, ein britisches Kaffee- und Tee-Unternehmen, das sich den Prinzipien des Fair Trade verschrieben hat und zusätzlich 50% des Gewinns aus dem Kaffeehandel wieder an die Produzenten zurück gibt, oder die deutsche Neumann Kaffee Gruppe, die mehrere Millionen US$ in Uganda investiert hat, um weiterverarbeitende Industrien zu unterstützen, gehen mit gutem Beispiel voran4. Hier sind es eben nicht nur die Verbraucher, die zur Kasse gebeten werden.

 

Wie wäre es denn, wenn z.B. der deutsche Staat, der bei unserem Kaffeekauf gleich 2 mal, in Form der Kaffeesteuer von 2,19 € pro kg geröstetem Kaffee (!) und der Mehrwertsteuer, mitverdient, einen Teil davon als Entwicklungsgelder an kaffeeproduzierende Ländern zurück geben würde, gekoppelt an die Auflage, dass diese in die Infrastruktur der Anbaugebiete und die Fortbildung der Bauern und Ausbildung ihrer Kinder vergeben werden?

 

1 www.gepa.org

2 Deutscher Kaffeeverband; Statista 2012

3 Morisset, J.: „Unfair Trade? Empirical Evidence in World Commodity Markets over the past 25 years”, World Bank (1997)

4 “Warum Kaffee so spotbillig ist”; www.stern.de

5 The coffee market – a background study; Oxfam; www.maketradefair.com