Armut, was ist das?

Uganda und Guatemala: zwei landschaftlich wunderschöne Länder, die zum Reisen einladen. Jedoch kann ihre Schönheit nicht verhehlen, dass es sich um zwei der ärmsten Länder der Welt handelt. In Uganda leben 24,5 % der Bevölkerung in Armut (Stand: 2010), in Guatemala sind es sogar 51 % (Stand: 2006, neuere Daten liegen noch nicht vor).


Wann bezeichnet man Menschen als arm? Eine einheitliche Definition gibt es nicht, doch wie wird Armut gemessen und somit vergleichbar gemacht? Zum einen gibt es die berühmte absolute Armutsgrenze von 1,25 US$ pro Tag gemessen in Kaufkraftparität (inflationsbereinigt zum Jahr 2005), die von der Weltbank eingeführt wurde. Hier wird gemessen, wieviel sich ein Bewohner eines Landes für umgerechnet 1,25 US$ kaufen kann. Es ist schwer vorstellbar, von diesem Betrag in den USA oder in Deutschland zu überleben. Für Uganda könnte man es sich aber schon eher vorstellen, oder? Und tatsächlich liegt die nationale Armutsgrenze in Uganda bei umgerechnet ungefähr 1,25 US$ pro Tag. Hierin ist aber nicht nur Nahrung enthalten, sondern auch weitere Güter wie Kleidung, Unterkunft etc. In Guatemala hingegen werden Menschen als arm bezeichnet, wenn sie von umgerechnet 2,30 US$ pro Tag leben müssen.


Daneben gibt es noch den Begriff der relativen Armut, der besondere Relevanz für entwickelte Länder hat. Hierunter fallen Personen, deren Einkommen deutlich unter dem durchschnittlichen Einkommen aller Einwohner ihres jeweiligen Landes liegt. Und damit werden Menschen als arm angesehen, auch wenn sie deutlich mehr als 1,25 US$ pro Tag zur Verfügung haben.


Doch all diese Definitionen berücksichtigen lediglich die ökonomische Seite und greifen viel zu kurz. Sind Menschen nicht auch arm, wenn sie vom politischen und sozialen Geschehen ausgeschlossen sind? Wenn sie keinen Zugang zu Bildung und somit keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben haben?


Daher wurde der Begriff der Armut erheblich erweitert und der „Human Development Index (HDI)“ eingeführt, der jährlich von den Vereinten Nationen veröffentlich wird. Entwickelt wurde der HDI in Zusammenarbeit zwischen dem pakistanischen Ökonom Mahbub ul Haq, dem indischen Ökonom und Nobelpreisträger Amarty Sen und dem britischen Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Meghnad Desai. Der HDI berücksichtigt nicht nur das Pro-Kopf-Einkommen eines Landes, sondern auch die durchschnittliche Lebenserwartung und den Bildungsgrad seiner Bewohner.

Karen Schober und ich haben im Rahmen eines Kurses über Entwicklungsökonomie ein paar Fakten zur Armutssituation in Guatemala und Uganda zusammen getragen, die hier zu finden sind:

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